Auf welcher Grundlage die alttestamentliche Chronologie der Bibel-Expo datiert ist

Abb. 1: Gesamtüberblick der biblischen Chronologie im Eingangsbereich der Bibel-Expo.
Diese Seite erklärt, auf welcher Grundlage die alttestamentliche Chronologie der Bibel-Expo aufgebaut ist. Sie folgt dem Aufbau des Einführungsvortrags: Zuerst wird der historische Synchronismus vorgestellt, dann die drei biblischen Brückenschläge, dann die Detailtafel zur Königszeit, schließlich der Umgang mit abweichenden Datierungsrahmen. Alle Bibelstellen werden nach der Schlachter-Übersetzung 2000 zitiert.
1. Einstieg und Ziel der Einführung

Abb. 2: Die zwei Zeittafeln der Bibel-Expo und die drei Ziele dieser Einführung.
An dieser Stelle wird erklärt, wie die alttestamentliche Chronologie der Bibel-Expo erstellt worden ist. Es geht dabei nicht nur um einzelne Jahreszahlen, sondern um den Rahmen, in den diese Jahreszahlen eingeordnet werden.
Wir verfolgen drei Ziele.
- Erstens sehen wir, welchen Datierungsrahmen die Bibel-Expo verwendet und warum.
- Zweitens betrachten wir, wie die große Detailtafel „Königreich Israel – Teilung und Untergang“ aufgebaut ist.
- Drittens gewinnen wir eine Hilfestellung, wie wir mit Datierungsrahmen umgehen, die deutlich größere Zeiträume voraussetzen als unsere Tafel.
Wichtig ist: Wir beginnen nicht bei der Schöpfung und rechnen einfach bis Christus durch. Wir suchen zuerst feste Ankerpunkte, die sich biblisch und historisch verbinden lassen. Von dort aus arbeiten wir Schritt für Schritt zurück.
2. Die Gesamtchronologie als Landkarte
Betrachten wir zuerst die große Übersicht (Abb. 1). Diese Tafel ist wie eine Landkarte und zeigt nicht nur einzelne Ereignisse, sondern die zeitliche Beziehung zwischen Personen, Epochen und Heilsgeschichte.
Die Skala arbeitet mit dem Prinzip: ein Millimeter entspricht einem Jahr. Dadurch werden Lebensspannen sichtbar. Wir erkennen zum Beispiel, welche Personen sich zeitlich überschneiden, welche Ereignisse nahe beieinanderliegen und wo große Abstände entstehen.
Das Kürzel a. E. A. bedeutet „ab Erschaffung Adams“. Das ist die interne Zählweise der Tafel. Daneben stehen die gewohnten Angaben in v. Chr. und n. Chr. Diese doppelte Zählweise hilft, die biblische Chronologie zunächst aus ihren eigenen Angaben aufzubauen und dann mit bekannten historischen Daten zu verbinden.
Halten wir für den ganzen Gedankengang fest: Nicht jede Zahl auf dieser Tafel hat denselben Sicherheitsgrad. Manche Zahlen ergeben sich sehr direkt aus biblischen Alters- oder Regierungsangaben. Andere hängen an einer Auslegung. Genau diese Unterschiede wollen wir hier transparent machen.
3. Der Synchronismus: 586 v. Chr. als historischer Fixpunkt

Abb. 3: Der Synchronismus – Verbindung von assyrisch-babylonischer und biblischer Chronologie (auf der Folie als „Synchronismus Nr. 1“ bezeichnet).
Unser erster Fixpunkt liegt bei der Zerstörung Jerusalems. Hier können wir die biblische Geschichtsschreibung mit der assyrisch-babylonischen Chronologie verbinden.
Oben sehen wir die assyrische Chronologie. Die Assyrische Königsliste und die Eponymenliste geben einen äußeren historischen Rahmen. Besonders wichtig ist die Sonnenfinsternis von 763 v. Chr. (die sogenannte Bur-Sagale-Finsternis, in der Eponymenliste ausdrücklich vermerkt); sie stabilisiert den assyrischen Datierungsrahmen.
Rechts kommt Neu-Babylonien hinzu. Dort begegnet uns Nebukadnezar. Jetzt wird die Verbindung zur Bibel entscheidend: 2. Könige 25,8 und Jeremia 52,12 sagen, dass Jerusalem im 11. Jahr Zedekias zerstört wurde. Dieselben Texte verbinden dieses Ereignis mit dem 19. Jahr Nebukadnezars.
Damit haben wir einen echten Synchronismus: Das 11. Jahr Zedekias entspricht dem 19. Jahr Nebukadnezars. Unsere Tafel setzt dieses Ereignis auf 586 v. Chr. Von hier aus beginnt unsere Rückrechnung.
Ein Wort zur Begrifflichkeit: Nur dieser Schritt ist ein Synchronismus im eigentlichen Sinn, denn nur hier wird die biblische mit einer außerbiblischen Chronologie verknüpft. Die drei folgenden Schritte nennen wir Brückenschläge: Sie verbinden Angaben der Bibel untereinander und tragen den Rahmen weiter nach hinten. Der Unterschied ist wichtig, weil die Tragfähigkeit der beiden Arten von Verbindungen nicht dieselbe ist.
4. Brückenschlag: Von 586 v. Chr. zurück zu 976 v. Chr.

Abb. 4: 390 Jahre als festgelegte Interpretation von Hesekiel 4,4-5.
Jetzt gehen wir vom ersten Fixpunkt zurück in die Vergangenheit. Die Frage lautet: Welche biblische Angabe führt uns von der Zerstörung Jerusalems weiter nach hinten?
Wir nehmen hier Hesekiel 4,4-5 als Schlüsselstelle. Hesekiel soll 390 Tage die Ungerechtigkeit des Hauses Israel tragen; ein Tag steht für ein Jahr. In unserem Modell werden diese 390 Jahre von 586 v. Chr. rückwärts gerechnet.
Wenn wir von 586 v. Chr. um 390 Jahre zurückgehen, kommen wir zu 976 v. Chr. Dann stellt sich sofort die Frage: Was geschah in diesem Jahr? Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Ist es das Jahr der Reichsteilung? Oder ist es das Jahr der Tempeleinweihung?
Die Bibel-Expo-Tafel entscheidet sich für die zweite Möglichkeit: 976 v. Chr. wird als Jahr der Tempeleinweihung Salomos verstanden. Das ist wichtig, weil diese Entscheidung die Darstellung der Königszeit ohne zusätzliche Zwischenregentschaften ermöglicht.
Beachten wir die eingeblendete Formulierung: „Unsere festgelegte Interpretation von Hesekiel 4,4-5“. Das ist eine offen ausgesprochene Modellentscheidung.
Ergänzend gilt für Juda: Die 40 Tage für Juda (Hesekiel 4,6) sind wiederum ein Tag für ein Jahr. Wir verbinden diese 40 Jahre mit der Zeitspanne vom öffentlichen Auftreten des Messias – mit der ersten Tempelreinigung – bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. Für unsere alttestamentliche Rückrechnung ist aber vor allem der 390-Jahre-Rahmen entscheidend.
5. Die Detailtafel „Königreich Israel“

Abb. 5: Vergleich der langen und kurzen Königszeit im kritischen Bereich: Die „lange Königszeit“ macht eine 12-jährige Zwischenregentschaft notwendig, die von der Bibel nicht bezeugt wird.
Nachdem die beiden Anker 586 und 976 gesetzt sind, schauen wir uns die Detailtafel „Königreich Israel – Teilung und Untergang“ an. Diese Tafel ist kompliziert, weil sie zwei Reiche parallel darstellen muss: Juda im Süden und Israel im Norden.
Die Königsbücher geben die Regierungszeiten nicht einfach als moderne absolute Daten an, sondern arbeiten mit vielen Synchronismen: Ein König Judas beginnt in einem bestimmten Regierungsjahr eines Königs Israels, und umgekehrt. Deshalb müssen wir die Angaben wie Zahnräder ineinanderlegen.
Der Vergleich in Abb. 5 stellt zwei Modelle nebeneinander. Im langen Modell ist 976 v. Chr. das Jahr der Reichsteilung. Im kurzen Modell ist 976 v. Chr. das Jahr der Tempeleinweihung. Beide Modelle haben Stärken und Schwächen. Entscheidend ist: Unsere Tafel entscheidet sich bewusst für das kurze Modell, weil es ohne eine Zwischenregentschaft auskommt, die in der Bibel nicht bezeugt wird.
Achten wir auf den kritischen Bereich im 8. Jahrhundert v. Chr. Hier begegnen Jerobeam II., Ussija, Jotham, Pekach, Ahas, Hosea und Hiskia. Gerade hier wird deutlich, dass wir die Regierungsjahre nicht einfach addieren können. Wir müssen Thronbesteigungsjahre, angefangene Jahre, mögliche Mitregentschaften und politische Einsetzungen berücksichtigen.
Zur Begriffsklärung: „lang“ und „kurz“ beziehen sich hier ausschließlich auf die Königszeit. Sie sind nicht mit dem „langen“ bzw. „kurzen“ Ägyptenaufenthalt aus Abschnitt 8 zu verwechseln. Unsere Tafel wählt bei der Königszeit das kurze, beim Ägyptenaufenthalt das lange Modell – das ist kein Widerspruch, sondern jeweils eine eigene Entscheidung an einer eigenen Textstelle.

Abb. 6: Ergebnis der Modellabwägung – beide Modelle haben Vor- und Nachteile.
Die Zusammenfassung lautet deshalb: Beide Modelle haben Vor- und Nachteile. Wir wählen nicht das Modell, bei dem keine Frage mehr offenbleibt. Wir wählen das Modell, das unter den gesetzten Annahmen die schlüssigste Gesamtdarstellung ermöglicht.
So erklären wir die Tafel: nicht als simple Rechnung, sondern als transparentes chronologisches Modell, das viele biblische Querbezüge möglichst widerspruchsarm in eine gemeinsame Linie bringt.
6. Brückenschlag: Vom Tempelbau zum Exodus

Abb. 7: 1. Könige 6,1 und die 480 Jahre vom Exodus bis zum Tempelbau.
Jetzt gehen wir weiter zurück. Wenn 976 v. Chr. die Tempeleinweihung ist, dann müssen wir den Beginn des Tempelbaus sieben Jahre früher ansetzen. Nach 1. Könige 6,37-38 dauerte der Bau sieben Jahre. Wir kommen also auf 983 v. Chr. für den Beginn beziehungsweise die Grundlegung des Tempels.
1. Könige 6,1 sagt: Der Tempelbau begann im 480. Jahr nach dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten. Wenn wir von 983 v. Chr. 480 Jahre zurückgehen, kommen wir in diesem Modell auf 1463 v. Chr. als Jahr des Exodus.
Zur Zählweise: Wir rechnen mit 480 vollen Jahren und kommen so auf 1463 v. Chr. Versteht man „im 480. Jahr“ inklusiv, wären erst 479 Jahre verstrichen, und man käme auf 1462 v. Chr. Beide Lesarten sind vertretbar; unsere Tafel verwendet 1463 v. Chr.
Damit ist ein weiterer Hauptanker gesetzt: 586 v. Chr. für die Zerstörung Jerusalems, 976 v. Chr. für die Tempeleinweihung, 983 v. Chr. für den Beginn des Tempelbaus und 1463 v. Chr. für den Exodus.
7. Die Richterzeit: Warum nicht einfach alles addieren?

Abb. 8: Zusammenfassung der Einwände gegen die lange Richterzeit.
An dieser Stelle entsteht eine wichtige Frage. Wenn wir die Einzelzeiten aus dem Richterbuch, die Wüstenwanderung, die Landnahme, Saul, David und die ersten Jahre Salomos addieren, kommen wir auf einen deutlich längeren Zeitraum. Die Darstellung nennt etwa 594 Jahre vom Exodus bis zur Tempelgründung. Wie kann das mit 1. Könige 6,1 zusammenpassen? Eine Erklärung lautet: Die 480 Jahre seien nur die „gewerteten“ Jahre; Jahre der Gottlosigkeit oder Fremdherrschaft seien nicht mitgezählt.
Diese Erklärung übernehmen wir nicht, aus mehreren Gründen.
- Erstens: 1. Könige 6,1 gibt keinen Hinweis darauf, dass bestimmte Jahre ausgelassen werden.
- Zweitens: Richter wirkten nicht notwendigerweise alle nacheinander über ganz Israel; ihre Zeiten können sich regional überschneiden.
- Drittens: Apostelgeschichte 13,20 stellt keine präzisere chronologische Angabe dar als 1. Könige 6,1.
- Viertens: Eine sehr lange Richterzeit erzeugt problematische Abstände in der Generationenfolge von Salmon bis David.
Die Tafel folgt deshalb dem 480-Jahre-Rahmen aus 1. Könige 6,1. Die Richterzeit wird nicht durch Addition aller Einzelangaben verlängert, sondern in diesen 480-Jahre-Rahmen eingeordnet.
8. Brückenschlag: Der Aufenthalt Israels in Ägypten

Abb. 9: Berechnung unter Voraussetzung des langen Ägyptenaufenthalts.
Der letzte Brückenschlag führt vom Exodus zurück zum Einzug Israels nach Ägypten. Die zentrale Stelle ist 2. Mose 12,40-41: Die Wohnzeit der Kinder Israels wird dort mit 430 Jahren angegeben. Unsere Tafel versteht diese 430 Jahre als Aufenthalt des Volkes Israel in Ägypten. Wenn der Exodus 1463 v. Chr. liegt, dann führt diese Rechnung zum Einzug Jakobs und seiner Familie nach Ägypten im Jahr 1893 v. Chr.
Nach einer alternativen Deutung umfassen die 430 Jahre nicht nur den Aufenthalt in Ägypten, sondern die Zeit von der Verheißung an Abraham bis zur Gesetzgebung am Sinai. Dann würden etwa 215 Jahre auf Kanaan und etwa 215 Jahre auf Ägypten entfallen. Als Argumente dafür werden Galater 3,17 sowie die Lesarten der Septuaginta und des samaritanischen Pentateuchs genannt.
Für das lange Modell spricht in dieser Darstellung vor allem die masoretische Lesart von 2. Mose 12,40-41 und die größere Zeitspanne für die starke Vermehrung Israels. Für das kurze Modell sprechen die vier genannten Generationen Levi – Kehat – Amram – Mose und die alternative Textüberlieferung.
Die Bibel-Expo-Tafel entscheidet sich für den langen Ägyptenaufenthalt.
9. Weitere Eckdaten: Abraham, Sintflut und Schöpfung

Abb. 10: Weitere Eckdaten bis zur Schöpfung.
Nachdem der Synchronismus und die drei Brückenschläge gesetzt sind, können wir weiter zurückgehen. Vom Einzug Israels nach Ägypten aus führt die Chronologie in die Patriarchenzeit. Der Zug Abrams nach Kanaan wird in der Tafel auf 2108 v. Chr. gesetzt. Das ergibt sich aus den Altersangaben der Genesis: Von Abrams Zug nach Kanaan bis zu Jakobs Einzug in Ägypten liegen 215 Jahre (1. Mose 12,4; 21,5; 25,26; 47,9).
Von dort führen die Altersangaben und Abstammungslisten aus Genesis weiter zurück. Die Tafel setzt die Sintflut auf 2534 v. Chr. und die Schöpfung auf 4190 v. Chr. Zwischen beiden liegen 1656 Jahre – genau die Spanne, die sich aus 1. Mose 5 ergibt (Flut im Jahr 1656 a. E. A.).
Je nachdem, wie man die Generationenkette aus 1. Mose 11 im Einzelnen zählt, begegnet in der Literatur auch das Jahr 2535 v. Chr. Unsere Tafel verwendet 2534 v. Chr. – dieser Wert führt zu der Schöpfungsdatierung von 4190 v. Chr.
Die Schöpfungsdatierung steht nicht als willkürlicher Startpunkt am Anfang unserer Argumentation, sondern ergibt sich aus einer Kette biblischer Angaben, historischer Synchronismen und klar benannter Modellentscheidungen. Genau deshalb erklären wir diese Tafel nicht so, als wäre jede Zahl gleicherweise unumstritten. Es handelt sich um ein Modell mit stärkeren und schwächeren Verbindungspunkten, die in dieser Dokumentation offengelegt werden.
10. Umgang mit größeren Datierungsrahmen

Abb. 11: Frage nach 10.000 oder 6.000 Jahren und Hinweis auf die Septuaginta.
Jetzt wechseln wir die Perspektive. Bisher haben wir den eigenen Datierungsrahmen aufgebaut. Nun fragen wir: Wie gehen wir mit Datierungsrahmen um, die deutlich ältere Daten ansetzen?
Auch unter bibeltreuen Autoren wird gelegentlich vertreten, die Menschheitsgeschichte könne zwischen 6.000 und 10.000 Jahre umfassen. Es stellt sich die Frage: Hat die Bibel vielleicht Tausende Jahre unterschlagen?
Ein anderer Einwand zur Berechnung der biblischen Chronologie lautet: Die Septuaginta enthält in Genesis an mehreren Stellen höhere Altersangaben und führt deshalb zu einer längeren Geschichte.
Die Bibel-Expo-Tafel folgt hier dem masoretischen Text. Die längere Septuaginta-Chronologie wird nicht als ursprünglicher biblischer Datierungsrahmen übernommen, sondern als sekundäre textgeschichtliche Veränderung eingeordnet.

Abb. 12: Frühdatierungen anderer Kulturen und Gardiner-Zitat zur ägyptischen Chronologie.
Außerdem begegnen wir häufig Frühdatierungen anderer Kulturen, die den biblischen Zeitrahmen zu sprengen scheinen: Assyrien, Altbabylon, China und Ägypten. Doch auch hier gilt: Auch außerbiblische Chronologien sind Rekonstruktionen. Besonders die ägyptische Chronologie weist Lücken und Unsicherheiten auf; Königslisten, Inschriften, Fundkontexte und spätere Zuordnungen müssen erst miteinander verbunden werden. Darum behandeln wir außerbiblische Frühdatierungen nicht als eine höhere Instanz als die biblische Chronologie.
Der Ägyptologe Sir Alan Gardiner, einer der führenden Kenner des Fachs, hat das mit bemerkenswerter Offenheit eingeräumt:
„Selbst wenn man ausgiebig von den Königslisten und von zusätzlichen überlieferten Quellen Gebrauch macht, weist das unverzichtbare Bezugssystem der ägyptischen Dynastien bedauernswerte Lücken und viele zweifelhafte Zuordnungen auf … Das, was stolz als ägyptische Geschichte präsentiert wird, ist in Wahrheit nur ein unvollständiges Puzzle.“
Sir Alan Gardiner: Egypt of the Pharaohs. An Introduction, Oxford 1961, S. 53. Deutsche Übersetzung nach creation.com.
Wenn also selbst die ägyptische Chronologie – die am besten erforschte des Alten Orients – ein Rekonstruktionswerk mit Lücken ist, dann kann sie nicht als überlegene Instanz gegen die biblischen Angaben ins Feld geführt werden. Beide Rahmen sind Rekonstruktionen und müssen als solche miteinander ins Gespräch gebracht werden.
11. Drei Arten von Datierungsquellen

Abb. 13: Gegenüberstellung von Gegenstandsdaten, anderen Überlieferungen und biblischer Überlieferung.
Zum Schluss ordnen wir die verschiedenen Datierungsquellen. Erstens gibt es Datierungen von Gegenständen. Solche Datierungen können sehr wertvoll sein, aber sie beruhen immer auf Voraussetzungen: Fundkontext, Material, Kalibrierung, Vergleichsdaten und Deutungsmodell.
Zweitens gibt es schriftliche Überlieferungen anderer Völker. Auch sie sind wichtig. Aber sie sind nicht überall vollständig, nicht immer eindeutig zu synchronisieren und gerade in sehr frühen Bereichen oft rekonstruktionsbedürftig.
Drittens gibt es die biblische Überlieferung. Wir halten fest, dass sie eine durchgehende Linie bietet, dass ihr Interpretationsspielraum begrenzt ist und dass sie den Anspruch göttlicher Inspiration erhebt.
Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein: Die Bibel hat nicht primär das Ziel der Zeitberechnung und ist kein Chronologiebuch im engen Sinn. Aber sie enthält genügend chronologische Angaben, um einen nachvollziehbaren Rahmen der biblischen Geschichte zu bilden.
12. Schlussbild: Die Tafel als Gesamtsystem

Abb. 14: Schlussbild mit Gesamtübersicht und Detailausschnitt.
Am Ende kehren wir zur Gesamtübersicht zurück. Jetzt erkennen wir diese Tafel nicht mehr nur als großes Bild mit vielen Zahlen, sondern als ein System begründeter Verbindungen. Wir haben gesehen: Der erste Fixpunkt ist 586 v. Chr. für die Zerstörung Jerusalems. Von dort führt Hesekiel 4 zu 976 v. Chr. als Tempeleinweihung. Von dort führt 1. Könige 6 zurück zum Exodus. Von dort führen 2. Mose 12 und die patriarchalischen Angaben weiter zurück bis Abraham, Sintflut und Schöpfung.
Diese Tafel will nicht jede Detailfrage endgültig entscheiden, zeigt aber, dass die biblische Geschichte einen zusammenhängenden Zeitrahmen hat und dass die verwendeten Daten nicht willkürlich gewählt sind. Die verwendeten Daten entstehen aus dem historischen Synchronismus, den biblischen Brückenschlägen, Textangaben und offen benannten Auslegungsentscheidungen.
Damit soll die Chronologie der Bibel-Expo dabei helfen, die biblische Geschichte als zusammenhängende Geschichte Gottes mit Menschen zu sehen.
Anhang: Die Datierungskette auf einen Blick
Die folgende Übersicht fasst die Kette zusammen und macht sichtbar, welcher Schritt worauf beruht. Sie eignet sich als Kurzfassung für die Website.
- 586 v. Chr. – Zerstörung Jerusalems. Grundlage: Synchronismus mit der babylonischen Chronologie (2. Könige 25,8; Jeremia 52,12). Stärkster Punkt der Kette.
- 976 v. Chr. – Tempeleinweihung. Grundlage: 390 Jahre nach Hesekiel 4,4-5, rückwärts gerechnet. Auslegungsentscheidung.
- 983 v. Chr. – Grundlegung des Tempels. Grundlage: sieben Baujahre (1. Könige 6,37-38). Direkte Textangabe.
- 1463 v. Chr. – Exodus. Grundlage: 480 Jahre (1. Könige 6,1). Direkte Textangabe; Zählweise zu klären (siehe Abschnitt 6).
- 1893 v. Chr. – Einzug Jakobs nach Ägypten. Grundlage: 430 Jahre (2. Mose 12,40-41), verstanden als reine Ägyptenzeit. Auslegungsentscheidung.
- 2108 v. Chr. – Zug Abrams nach Kanaan. Grundlage: 215 Jahre Patriarchenangaben (1. Mose 12,4; 21,5; 25,26; 47,9). Direkte Textangaben.
- 2534 v. Chr. – Sintflut. Grundlage: Generationenkette aus 1. Mose 11. Rückfrage siehe Abschnitt 9.
- 4190 v. Chr. – Schöpfung. Grundlage: Generationenkette aus 1. Mose 5 (1656 Jahre bis zur Flut). Direkte Textangaben.
