Der Pilatus-Stein

Pontius Pilatus in einer römischen Inschrift aus Caesarea Maritima

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1961 wurde im Theater von Caesarea Maritima eine beschädigte lateinische Inschrift entdeckt, die Pontius Pilatus als „Präfekten Judäas“ nennt. Sie ist der einzige bislang bekannte zeitgenössische Inschriftenfund, der seinen Namen trägt. Der Stein bestätigt damit eine zentrale Person und den römischen Verwaltungsrahmen der neutestamentlichen Passionsgeschichte.

Inhalt

1. Fund und Aufbewahrung

Die Inschrift wurde 1961 bei den italienischen Ausgrabungen im römischen Theater von Caesarea Maritima entdeckt. Die Grabungen standen unter der Leitung von Antonio Frova. Der beschriftete Kalksteinblock war in der Spätantike als Baumaterial wiederverwendet worden, vermutlich bei einem Umbau des Theaters im 4. Jahrhundert. [1][2]

Der Stein besteht aus hartem Kalkstein und misst nach den Angaben des Israel Museums etwa 80 × 68 × 20 cm. Er wird in die Amtszeit des Pilatus, 26–36 n. Chr., datiert. Das Original befindet sich im Israel Museum in Jerusalem; Eigentümer ist die Israel Antiquities Authority. [1]

2. Der erhaltene Wortlaut

…]S TIBERIÉVM[PO]NTIVS PILATVS[PRAEF]ECTVS IVDAE[A]E…

Die zweite und dritte Zeile lassen sich sicher ergänzen: „Pontius Pilatus, Präfekt Judäas“. Die erste Zeile enthält das Wort TIBERIEUM. Sehr wahrscheinlich bezeichnete es eine Stiftung, Einrichtung oder Veranstaltung zu Ehren des Kaisers Tiberius. Die genaue Art dieses Tiberieums und die vollständige Rekonstruktion der verlorenen Zeilen sind jedoch umstritten. [2][3]

Entscheidend ist der Amtstitel

Die Inschrift nennt Pilatus ausdrücklich PRAEFECTUS IUDAEAE – „Präfekt Judäas“. Damit liefert sie einen zeitgenössischen epigrafischen Beleg für seinen Namen, seinen Rang und seinen Verwaltungsbereich.

3. Pontius Pilatus im historischen Kontext

Pontius Pilatus verwaltete Judäa unter Kaiser Tiberius von etwa 26 bis 36 n. Chr. Der Amtssitz der römischen Verwaltung lag gewöhnlich in Caesarea Maritima. Zu den großen jüdischen Festen hielt sich der Statthalter vermutlich mit zusätzlichen Truppen in Jerusalem auf, um Unruhen vorzubeugen. Die Evangelien ordnen die Verurteilung Jesu in diese Amtszeit ein.

Spätere literarische Quellen verwenden für römische Statthalter Judäas teilweise die Bezeichnung „Prokurator“. Die Inschrift zeigt jedoch, dass Pilatus in seiner eigenen Amtszeit den Titel „Präfekt“ führte. Dieser Unterschied ist kein Widerspruch, sondern spiegelt die Entwicklung und den später teilweise ungenauen Gebrauch römischer Amtsbezeichnungen.

4. Was der Fund belegt

  • Pontius Pilatus war eine historische Person des 1. Jahrhunderts.
  • Er amtierte unter Kaiser Tiberius.
  • Sein offizieller Titel lautete „Präfekt Judäas“.
  • Caesarea Maritima war ein Zentrum der römischen Herrschaft in Judäa.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Israel Museum, Jerusalem: „Latin dedicatory inscription mentioning Pontius Pilate“; Kalkstein, Caesarea, 26–36 n. Chr. – https://www.imj.org.il/en/collections/395572-0
  2. Antonio Frova: „L’iscrizione di Ponzio Pilato a Cesarea“, Rendiconti dell’Istituto Lombardo, Classe di Lettere 95 (1961), S. 419–434.
  3. Jerry Vardaman: „A New Inscription Which Mentions Pilate as ‘Prefect’“, Journal of Biblical Literature 81.1 (1962), S. 70–71. – https://scholarlypublishingcollective.org/sblpress/jbl/article-pdf/81/1/70/991987/3264829.pdf
  4. Tibor Grüll: „Pilate’s Tiberiéum: A New Approach“, Acta Antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae 41 (2001), S. 267–362.
  5. Helen K. Bond: Pontius Pilate in History and Interpretation, Cambridge University Press, Cambridge 1998.