Die Prophetien Daniels

Vier Weltreiche und das Reich, das nie vergeht

Ein Blick durch die Jahrhunderte

Inhalt

Der Prophet Daniel lebte im 6. Jahrhundert v. Chr. als Verschleppter am Hof von Babylon. In dieser Zeit empfing er einen erstaunlichen Ausblick: den Lauf der Weltreiche bis zum Kommen des Reiches Gottes. Zweimal wird derselbe Gang der Geschichte gezeigt – einmal als Standbild aus vier Metallen (Kapitel 2), einmal als vier Tiere, die aus dem Meer steigen (Kapitel 7). Und in Kapitel 9 folgt eine genaue Zeitansage bis zum Kommen des Gesalbten.

Diese Station macht die Bilder greifbar: links das plastische Standbild aus Nebukadnezars Traum, davor auf der Platte die vier Tiere über den Weltkugeln der vier Reiche, darunter die Zeitachse der siebzig Jahrwochen – und darüber an der Wand die große Zeitleiste, die alles in die Geschichte einordnet.

1Das Standbild aus vier Metallen

Das Standbild aus Daniel 2: Haupt aus Gold, Brust und Arme aus Silber, Bauch und Lenden aus Erz, Beine aus Eisen, Füße aus Eisen und Ton.

König Nebukadnezar hatte einen Traum – und Daniel erzählte ihm durch Gott sowohl den Traum als auch dessen Deutung. Der König hatte ein gewaltiges Standbild gesehen:

„Das Haupt dieses Bildes war aus gediegenem Gold, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden aus Erz, seine Oberschenkel aus Eisen, seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton.“

Daniel 2,32-33

Dann riss sich ohne Zutun von Menschenhänden ein Stein los, traf das Bild an den Füßen und zermalmte es; das ganze Bild zerfiel und wurde vom Wind verweht, „sodass keine Spur mehr von ihnen zu finden war“. Der Stein aber „wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde“ (Daniel 2,34-35).

Daniel deutet die vier Metalle als eine Abfolge von vier Königreichen, vom goldenen Haupt an: „Du bist das Haupt aus Gold!“ (Daniel 2,38). Das erste Reich ist Babylon; drei weitere folgen, jedes „geringer“ im Wert des Metalls, aber härter – bis der Stein, das Reich Gottes, alle ablöst und für immer bleibt (Daniel 2,44-45).

2Die vier Tiere aus dem Meer

Jahre später, „im ersten Jahr Belsazars“, sah Daniel selbst ein Nachtgesicht: Vier große Tiere stiegen aus dem aufgewühlten Meer – jedes verschieden vom anderen.

Die vier Tiere aus Daniel 7 auf der Platte: Löwe mit Adlerflügeln, Bär, Panther, das furchterregende vierte Tier.

  • Das erste „glich einem Löwen und hatte Adlerflügel“ – ihm wurden die Flügel ausgerissen und ein Menschenherz gegeben (Daniel 7,4).
  • Das zweite „glich einem Bären“, einseitig aufgerichtet, mit drei Rippen im Maul: „Steh auf, friss viel Fleisch!“ (Daniel 7,5).
  • Das dritte war „wie ein Panther“ mit vier Vogelflügeln und vier Köpfen; ihm wurde Herrschaft verliehen (Daniel 7,6).
  • Das vierte war „furchterregend, schrecklich und außerordentlich stark“, mit eisernen Zähnen und zehn Hörnern; unter ihnen wuchs ein kleines Horn mit „Augen wie Menschenaugen und einem Maul, das große Dinge redete“ (Daniel 7,7-8).

Dann sah Daniel, wie „ein Hochbetagter“ sich zum Gericht setzte und die Bücher geöffnet wurden. Und er sah einen kommen „mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen“ – ihm wurde eine ewige Herrschaft verliehen: „seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht“ (Daniel 7,13-14).

QUELLEN

  • Grundlage: Ausstellungsstation „Die Prophetien Daniels“ (Standbild, Tierfiguren, Weltkugeln, Zeitachsen).
  • Bibeltexte nach der Schlachter-Übersetzung 2000: Daniel 2 (Standbild); Daniel 7 (vier Tiere, Menschensohn).

3Zwei Visionen, derselbe Lauf der Geschichte

Das Standbild und die vier Tiere zeigen dasselbe: eine Folge von vier Weltreichen, die einander ablösen, bis Gott selbst sein Reich aufrichtet. Beide Male ist Babylon der Anfang – das goldene Haupt und der Löwe –, und beide Male steht am Ende nicht ein fünftes irdisches Reich, sondern das ewige Reich Gottes. Die Station stellt die beiden Bilder über den Weltkugeln der Reiche nebeneinander:

Die Ausdehnung der vier Reiche: Babylonisches, Medopersisches, Griechisches und Römisches Reich.

Standbild (Kap. 2) Tier (Kap. 7) Weltreich
Haupt aus Gold Löwe mit Adlerflügeln Babylon
Brust und Arme aus Silber Bär mit drei Rippen Medopersien
Bauch und Lenden aus Erz Panther, vier Flügel und Köpfe Griechenland
Schenkel und Beine aus Eisen Furchtbares Tier, zehn Hörner Rom
Stein ohne Menschenhände Menschensohn mit den Wolken Reich Gottes

Die Zuordnung ergibt sich aus der Geschichte selbst: Auf Babylon folgte das Reich der Meder und Perser (Kyrus), auf dieses das griechische Weltreich Alexanders des Großen, und auf dieses das römische. Daniel selbst nennt in Kapitel 8 die zweite und dritte Macht ausdrücklich beim Namen – „die Könige von Medien und Persien“ und „der König von Griechenland“ (Daniel 8,20-21). Das Standbild wird nach unten hin unedler (Gold zu Ton), aber härter (Eisen) – ein treffendes Bild für Reiche, die an Glanz verlieren und an eiserner Macht gewinnen, bis sie im Gemisch aus Eisen und Ton brüchig werden.

Diese Auslegung – mit Rom als viertem Reich – ist die überlieferte, christliche Deutung. Ein Teil der neueren Forschung datiert das Danielbuch erst in die Zeit um 165 v. Chr. und sieht im vierten Tier bereits das Griechenreich. Für die überlieferte Sicht spricht vor allem die nächste Prophetie, die sich mit einer Genauigkeit erfüllt hat, die kein späterer Verfasser hätte fälschen können: die siebzig Jahrwochen.

4Die siebzig Jahrwochen

Während Daniel über die Rückkehr aus dem Exil betete, gab ihm der Engel Gabriel eine der genauesten Zeitansagen der Bibel (Daniel 9,24-27). Sie steht auf der unteren Platte der Station:

„Über dein Volk und über deine heilige Stadt sind siebzig Wochen bestimmt … So wisse und verstehe: Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen … Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden.“

Daniel 9,24-26

Die Zeitachse der Jahrwochen: vom Erlass (−445) über 69 Wochen bis zum Gesalbten (+32) und zur Zerstörung Jerusalems (+70).

Eine „Woche“ ist hier eine Jahrwoche – ein Zeitraum von sieben Jahren; siebzig Wochen sind also 490 Jahre. Die Station rechnet vom Erlass zum Wiederaufbau Jerusalems (um 445 v. Chr.) die sieben plus zweiundsechzig Wochen – zusammen 69 Wochen – bis zum Auftreten des Gesalbten um das Jahr 32 n. Chr. Genau in dieser Zeit trat Jesus Christus auf und wurde „ausgerottet“ – gekreuzigt. Und „nach“ diesen Wochen traf ein, was Daniel weiter ansagte: „die Stadt aber samt dem Heiligtum wird das Volk des zukünftigen Fürsten zerstören“ (Daniel 9,26) – die Römer zerstörten Jerusalem und den Tempel im Jahr 70 n. Chr.

Die Zeitachse markiert zugleich die großen Wendepunkte dazwischen: 334 v. Chr. erobert Alexander das medopersische Reich, 167 v. Chr. entweiht Antiochus Epiphanes das Heiligtum (vgl. Daniel 11), 63 v. Chr. nimmt Pompeius Jerusalem ein. So spannt sich ein sicherer Bogen von der Rückkehr aus Babylon bis zu Christus.

QUELLEN

  • Bibeltexte nach der Schlachter-Übersetzung 2000: Daniel 8,20-21; 9,24-27.
  • Die Jahrwochen-Rechnung folgt der Darstellung der Station (Erlass um 445 v. Chr.; 69 Wochen bis zum Gesalbten um 32 n. Chr.).

5Die große Zeitleiste an der Wand

Über der Station zieht sich eine maßstabsgetreue Zeitleiste (ein Jahr = sechs Millimeter) durch die babylonische und persische Zeit. Sie ordnet die Prophetien in die Geschichte ein: die Wegführungen nach Babylon, die siebzig Jahre der Gefangenschaft, die Könige von Nebukadnezar über Kyrus und Darius bis zu den Perserkönigen, und die Propheten Jeremia, Hesekiel, Daniel, Haggai, Sacharja und Maleachi.

Ausschnitt der Wandzeitleiste mit Königen, Propheten und den Ereignissen um Rückkehr und Tempelbau (Esra, Nehemia).

Besonders die Rückkehr aus dem Exil ist genau verzeichnet: der Erlass des Kyrus zum Wiederaufbau des Tempels (Esra 1), die Heimkehrwellen, die Grundsteinlegung und Fertigstellung des Tempels, und später der Erlass des Artasasta sowie Nehemias Mauerbau. Von hier – vom Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems – setzt die Rechnung der siebzig Jahrwochen ein.

Der Stein und der Menschensohn

Beide Visionen laufen auf denselben Punkt zu. Im Standbild ist es der Stein, der sich ohne Menschenhände losreißt, die Reiche zermalmt und zu einem Berg wird, der die ganze Erde erfüllt. Im Nachtgesicht ist es der Menschensohn, der mit den Wolken kommt und eine ewige Herrschaft empfängt. Beide Bilder meinen dieselbe Person und dasselbe Reich – und das Neue Testament nennt sie beim Namen.

„Sohn des Menschen“ war der Name, den Jesus selbst am häufigsten für sich gebrauchte; vor dem Hohen Rat berief er sich ausdrücklich auf Daniels Wort vom Kommen des Menschensohnes mit den Wolken (Markus 14,62). Und Petrus nennt ihn „den lebendigen Stein, von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt“ (1. Petrus 2,4). Der Stein, der die Weltreiche überdauert, ist Christus; sein Reich ist das, „das in Ewigkeit nicht untergehen wird“ (Daniel 2,44).

Das ist die eigentliche Botschaft der Station. Die Weltreiche kamen und gingen, wie Daniel es Jahrhunderte im Voraus beschrieb – Gold, Silber, Erz und Eisen sind zu Staub geworden. Geblieben und gewachsen ist allein das Reich jenes Steins, der zum Berg wurde und die ganze Erde erfüllt.

Quellen

  • Bibelzitate: nach der Schlachter-Übersetzung 2000 (Daniel 2; 7; 8,20-21; 9,24-27; Markus 14,62; 1. Petrus 2,4).
  • Weiterführend: Dokumentationen „Die Zuverlässigkeit des Neuen Testaments“ und „Die Welt des Neuen Testaments“.