Der siebenarmige Leuchter der Stiftshütte – nach dem Vorbild einer Pflanze
Ein Leuchter aus einem Stück Gold
Inhalt
- Ein Leuchter aus einem Stück Gold
- 1Die biblische Bauanleitung
- 2Wenig Gold, große Kunst
- 3Die ungewöhnliche Form: eine Pflanze
- 4Das Licht und seine Bedeutung
- 5Der Platz in der Ausstellung
- Licht nach dem Vorbild des Schöpfers
Im Heiligtum Israels stand kein Fenster. Das einzige Licht im Heiligen kam vom goldenen Leuchter – der Menora. Gott selbst gab Mose die genaue Bauanleitung, und er ordnete etwas Ungewöhnliches an: Der ganze Leuchter mit seinen sieben Armen, seinen Kelchen, Knäufen und Blüten sollte aus einem einzigen Stück Gold getrieben werden.

Das Menora-Modell der Ausstellung in der Glasvitrine.
Das Modell in der Vitrine gibt diesen Leuchter wieder – und zwar in einer Form, die man auf den ersten Blick nicht erwartet. Sie geht auf eine überraschende Entdeckung zurück: dass die Bibel den Leuchter mit lauter Begriffen aus der Pflanzenwelt beschreibt und dass es in Israel tatsächlich eine Pflanze gibt, die genau so aussieht.
1Die biblische Bauanleitung
Die genaue Beschreibung steht in 2. Mose 25,31-40. Sie ist so ausführlich, dass sich der Leuchter danach nachbauen lässt:
„Du sollst auch einen Leuchter aus reinem Gold anfertigen; in getriebener Arbeit soll dieser Leuchter gemacht werden; sein Fuß und sein Schaft, seine Kelche, Knäufe und Blüten sollen aus einem Stück mit ihm sein. Aus den Seiten des Leuchters sollen sechs Arme herauskommen … An dem einen Arm sollen drei Kelche wie Mandelblüten sein, mit je einem Knauf und einer Blüte …“
2. Mose 25,31-33
Der Leuchter hat also einen Mittelschaft und sechs Arme – drei auf jeder Seite. Jeder Arm trägt drei Kelche „wie Mandelblüten“, dazu Knäufe und Blüten; der Mittelschaft selbst vier solcher Kelche. Oben sitzen die sieben Lampen, die „das, was vor ihm liegt, erleuchten“ (2. Mose 25,37). Alles zusammen – auch die Lichtscheren und Löschnäpfe – aus reinem Gold. Und am Ende der Anweisung steht der Satz, der die genaue Form so wichtig macht:
„Und achte sorgfältig darauf, dass du alles genau nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist!“
2. Mose 25,40
2Wenig Gold, große Kunst
Der Leuchter wurde „aus einem Talent reinen Goldes“ gefertigt (2. Mose 25,39) – das sind etwa 40 Kilogramm. Das klingt nach viel, ist aber, weil Gold so schwer ist, erstaunlich wenig Material: nur rund zwei Liter an Volumen. Aus dieser kleinen Menge sollte der ganze, mannshohe Leuchter entstehen.
Das erklärt den seltenen Ausdruck „getriebene Arbeit“, der in der Bibel nur bei diesem Leuchter vorkommt: Das Gold wurde nicht gegossen, sondern aus einem Stück mit Hammer und stumpfen Werkzeugen in Form getrieben. Bei so wenig Material liegt nahe, dass man das Gold zunächst zu dünnem Blech schlug und dieses zu Röhren wickelte, um Größe und Stabilität zu erreichen. Das war Goldschmiedekunst höchsten Ranges.
Ein ehrlicher Hinweis zum Modell: Seine Größe ist frei gewählt und nicht aus dem Materialvolumen errechnet. Gemessen an den zwei Litern Gold war das Original vermutlich kleiner.
QUELLEN
- Bibeltext nach der Schlachter-Übersetzung 2000: 2. Mose 25,31-40 (Bauanleitung); vgl. 2. Mose 37,17-24 (Ausführung durch Bezalel).
3Die ungewöhnliche Form: eine Pflanze
Warum sieht dieses Modell anders aus als die bekannte Menora vom Titusbogen in Rom? Der Grund liegt in einer Beobachtung, die schon lange auffällt: Die Bibel beschreibt den Leuchter mit lauter Wörtern aus der Pflanzenwelt – Schaft, Arme, Kelche, Knäufe, Blüten, Mandelblüten. Das klingt weniger nach einem Möbelstück als nach einem Gewächs.

Die Arme des Modells mit Knäufen und Kelchen – der Form der Salvia-Pflanze nachempfunden.
Das brachte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die israelischen Botaniker Ephraim und Hannah Hareuveni auf eine Idee: Gibt es vielleicht eine reale Pflanze, die so aussieht? Ihre Forschung – später fortgeführt von ihrem Sohn Nogah, dem Gründer des biblischen Landschaftsparks Neot Kedumim – führte zu den Salvien (Salbeigewächsen), vor allem Salvia palaestina und dem Jerusalem-Salbei (Salvia hierosolymitana). Auf Hebräisch heißt der Salbei Marva – ein Wort, das mit Moriah verwandt ist.
Presst man eine solche Salvia-Pflanze flach, ergibt sich verblüffend genau das Bild der Menora: aus einem Mittelstiel gehen zu jeder Seite drei Zweige aus, und an den Stielen sitzen kleine kugelige Knäufe (Galläpfel) – genau wie die „Knäufe“ der biblischen Beschreibung. Die Pflanze ist zudem stark duftend; ihr Öl wurde vermutlich im Tempel verwendet, wo das Anzünden des Leuchters mit dem Räucherwerk einherging.
Von dem Gedanken ergriffen, dass Gott der vollkommene Schöpfer und Designer ist, wurde das Modell dieser Pflanze nachgebildet – die Form der Seitenarme ebenso wie die Abstände der Blütenkelche. So legt es nahe: Die Anweisung, den Leuchter „nach dem Vorbild auf dem Berg“ zu bauen, könnte auf ein Bild aus Gottes eigener Schöpfung verweisen.
Fund und Deutung bleiben dabei zu unterscheiden: Dass die Salvia der biblischen Beschreibung ähnelt, ist gut nachprüfbar; dass sie das Vorbild der Menora war, ist eine begründete, aber nicht beweisbare Annahme.
QUELLEN
- Zur Pflanzen-These: Ephraim und Hannah Hareuveni; Nogah Hareuveni / Neot Kedumim (Biblischer Landschaftspark, Israel).
- Bezug: 2. Mose 25,31-40; 37,17-24 (botanische Begriffe). Quelle des Ausstellungstextes u. a.: Gloria Deutsch (Jerusalem Post); menora.de.
4Das Licht und seine Bedeutung
Die Menora war der Lichtträger im Heiligtum – das einzige Licht im sonst fensterlosen Heiligen, das Tag und Nacht brannte. Von Anfang an trägt sie eine tiefe Bedeutung:
- Der Prophet Sacharja sah einen goldenen Leuchter und hörte das Wort: „Nicht durch Heer und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist!“ (Sacharja 4,2-6). Die Menora steht so für Gottes Wirken durch seinen Geist.
- Im Neuen Testament nennt sich Jesus Christus selbst: „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12). Der Leuchter, der das Heilige erhellt, weist auf ihn.
- In der Offenbarung sieht Johannes sieben goldene Leuchter, die für die Gemeinden stehen (Offenbarung 1,12-20) – das Licht, das nun in die Welt getragen wird.
Die besondere, pflanzengleiche Form des Modells hat noch einen weiteren Sinn: Ihre Gliederung – ein Mittelschaft und drei Armpaare – veranschaulicht gut die sieben Feste des Herrn (3. Mose 23) und ihre Ordnung in drei Gruppen. Dazu gibt es in der Ausstellung eine eigene Dokumentation.
5Der Platz in der Ausstellung
Ursprünglich sollte die Menora unmittelbar vor der Schautafel der „Sieben Feste des Herrn“ stehen. Aus praktischen Gründen steht sie nun in der Glasvitrine an der „Westseite“ der Stiftshütte – direkt neben der Figur des Hohenpriesters, der im Heiligtum täglich die Lampen des Leuchters zu versorgen hatte (2. Mose 27,20-21). So stehen der Diener des Heiligtums und das Licht, das er hütete, nebeneinander.
Licht nach dem Vorbild des Schöpfers
Die Menora verbindet auf schöne Weise zwei Dinge, die oft getrennt scheinen: Gottes Wort und Gottes Schöpfung. Der Leuchter wurde „nach dem Vorbild auf dem Berg“ gebaut – und dieses Vorbild könnte eine Pflanze gewesen sein, die noch heute an den Hängen Israels wächst. Der vollkommene Schöpfer, so die Botschaft, hat sein Heiligtum mit den Formen seiner eigenen Schöpfung ausgestattet.
Und das Licht, das dieser Leuchter trug, ist nie erloschen. Es weist über sich hinaus – auf den, der von sich sagte: „Ich bin das Licht der Welt.“ Wer diesen goldenen Leuchter betrachtet, sieht darum mehr als ein kunstvolles Gerät: ein Bild für das Licht, das Gott in eine dunkle Welt gestellt hat.
Quellen
- Pflanzen-These: Ephraim und Hannah Hareuveni; Nogah Hareuveni / Neot Kedumim.
- Bibelzitate: nach der Schlachter-Übersetzung 2000 (2. Mose 25; 27,20-21; 37; 3. Mose 23; Sacharja 4; Johannes 8,12; Offenbarung 1).
- Weiterführend: Dokumentationen „Die sieben Feste des Herrn“, „Die heiligen Kleider des Hohenpriesters“ und „Die Stiftshütte“.
