Die Stadt Gottes von David bis Christus
Eine Stadt auf schmalem Fels
Jerusalem liegt nicht an einem Fluss und nicht an einer Handelsstraße, sondern auf einem schmalen Bergrücken, umgeben von tiefen Tälern: im Osten das Kidrontal, im Westen und Süden das Hinnomtal. Nur nach Norden ist die Stadt offen – dort liegt auch ihre einzige Schwachstelle. Wer Jerusalem verstehen will, muss diese Lage kennen: Die ganze Baugeschichte der Stadt ist der Versuch, diesen Fels zu befestigen und mit Wasser zu versorgen. Und Wasser gab es nur an einer Stelle: der Gihon-Quelle im Kidrontal, außerhalb der Mauern. Sie zu sichern, war über Jahrhunderte die Lebensfrage der Stadt. Das Plakat zeigt, wie Jerusalem von der kleinen Bergfestung Davids bis zur großen Tempelstadt heranwuchs – in Rekonstruktionszeichnungen, die den heutigen Forschungsstand abbilden.
Diese Dokumentation folgt den vier großen Bauphasen des Plakats – David, Salomo, Hiskia, Nehemia – und zeichnet dabei die biblische Geschichte nach, die sich mit jedem dieser Namen verbindet. Am Ende steht ein kurzer Blick auf das weitere Wachstum bis zur Zerstörung im Jahr 70 n. Chr.
Hinweis zu den Abbildungen: Die Bilder dieser Dokumentation sind kleine, niedrig aufgelöste Ausschnitte des Ausstellungsplakats – nur als Orientierungshilfe. Die Rekonstruktionszeichnungen stammen von Leen Ritmeyer, die Nehemia-Mauerkarte von Gladius Spiritus; sie sind urheberrechtlich geschützt.
Inhalt
1Zeit Davids
um 1000 v. Chr.

Stadtmodell und Landschaft zur Zeit Davids (© Leen Ritmeyer).
Vor David gehörte die Stadt den Jebusitern. Sie hielten ihre Felsenfestung für uneinnehmbar – bis David sie eroberte, wohl durch den Wasserschacht, der die Stadt mit der Gihon-Quelle verband:
AUS DEM TEXT:
Und David nahm die Burg Zion ein; das ist die Stadt Davids.
2. Samuel 5,7
Die Bibel nennt sie fortan Stadt Davids (2. Samuel 5,7-9). Auf dem Plakat sind die entscheidenden Merkmale beschriftet: der befestigte Gang und der Turm über der Gihon-Quelle, der künstliche Teich, dazu Davids Palast auf dem höchsten Punkt des schmalen Stadthügels.
Ein Ort wird eigens hervorgehoben: die Tenne Arawnas auf dem Berg im Norden. David kaufte diesen Dreschplatz, um dort einen Altar zu errichten, nachdem eine Plage das Volk getroffen hatte (2. Samuel 24,18-25). Diese Tenne wurde zum heiligsten Ort Israels – hier sollte der Tempel stehen:
Und Salomo fing an, das Haus des HERRN zu bauen in Jerusalem, auf dem Berg Morija, wo der HERR seinem Vater David erschienen war, an dem Ort, den David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans, des Jebusiters.
2. Chronik 3,1
Damit verbindet das Plakat schon im ersten Bild zwei Linien, die die ganze Geschichte Jerusalems tragen: die Stadt Davids und den Tempelberg, den Berg Morija – denselben Berg, auf dem Abraham einst Isaak opfern sollte (1. Mose 22,2; 2. Chronik 3,1).
QUELLEN
- Rekonstruktionszeichnung: Leen Ritmeyer.
- Bibelbezug: 2. Samuel 5,6-10 (Eroberung); 2. Samuel 24,18-25 (Tenne Arawnas); 1. Chronik 21; 2. Chronik 3,1 (Berg Morija); 1. Mose 22,2.
2Zeit Salomos
um 970 v. Chr.

Stadtmodell und Landschaft zur Zeit Salomos (© Leen Ritmeyer).
Unter Salomo, dem Sohn Davids, wuchs die Stadt nach Norden über die Tenne Arawnas hinaus. Auf dem Berg Morija entstand in sieben Jahren der Tempel – das Haus, in dem die Herrlichkeit Gottes wohnen sollte (1. Könige 6). Daneben errichtete Salomo seinen Palast und das Libanon-Waldhaus, einen großen Prachtbau aus Zedernholz (1. Könige 7,1-12). Alle drei sind auf dem Plakat beschriftet: Tempel, Altar, Salomos Palast, Libanon-Waldhaus.
AUS DEM TEXT:
Und es geschah, als die Priester aus dem Heiligtum traten, da erfüllte die Wolke das Haus des HERRN, sodass die Priester wegen der Wolke nicht hintreten konnten, um Dienst zu tun; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus des HERRN.
1. Könige 8,10-11
Wie einst über der Stiftshütte, so kam nun auch über dem Tempel die Wolke der Herrlichkeit Gottes herab. Damit bekam Jerusalem seine bleibende Bedeutung: Es war nun der Ort, an dem Gott seinen Namen wohnen ließ (1. Könige 8,29). Zu diesem Haus zogen die Stämme Israels dreimal im Jahr hinauf – bis heute klingt das in den Wallfahrtspsalmen nach („Ich freue mich an denen, die zu mir sagen: Lasst uns zum Haus des HERRN gehen!“, Psalm 122,1).
QUELLEN
- Rekonstruktionszeichnung: Leen Ritmeyer.
- Bibelbezug: 1. Könige 6–8 (Tempelbau und Einweihung); 1. Könige 7,1-12 (Paläste); 2. Chronik 3–7; Psalm 122.
- Zur Deutung des Tempels vgl. die Dokumentation „Modell des herodianischen Tempels“.
3Zeit Hiskias
um 700 v. Chr.

Jerusalem zur Zeit Hiskias – die Stadt greift auf den Westhügel über (© Leen Ritmeyer).
Zweihundertfünfzig Jahre später stand Jerusalem vor seiner größten Bedrohung: Das assyrische Weltreich hatte das Nordreich Israel bereits vernichtet, und König Sanherib rückte gegen Juda vor. König Hiskia bereitete die Stadt auf die Belagerung vor – und was er tat, ist auf dem Plakat und im Boden Jerusalems bis heute sichtbar.
Zum einen erweiterte er die Stadt und zog eine neue, mächtige Befestigung um den bis dahin unbefestigten Westhügel – die Breite Mauer. Die Bibel berichtet, dass man dafür sogar Häuser abriss (Jesaja 22,10); die Archäologie hat ein sieben Meter dickes Mauerstück freigelegt, das genau dazu passt.
Zum anderen sicherte er das Wasser. Er ließ einen über 500 Meter langen Tunnel durch den Fels treiben, der die Gihon-Quelle mit einem Teich innerhalb der Mauern verband – dem Teich Siloah. So konnte die Quelle von außen unzugänglich gemacht und die Stadt dennoch versorgt werden:
AUS DEM TEXT:
Und was mehr von Hiskia zu sagen ist und alle seine Machttaten, und wie er den Teich und die Wasserleitung angelegt und das Wasser in die Stadt geleitet hat, ist das nicht beschrieben im Buch der Chronik der Könige von Juda?
2. Könige 20,20
Dieser Tunnel ist erhalten; an seinem Ausgang fand man eine althebräische Inschrift, welche die Begegnung der beiden Grabungstrupps in der Mitte des Felsens beschreibt. Gott bewahrte die Stadt: Das assyrische Heer musste ohne Eroberung abziehen (2. Könige 19,35-36). Jerusalem blieb verschont – ein Ereignis, das die Propheten Jesaja und Micha begleiteten.
QUELLEN
- Rekonstruktionszeichnung: Leen Ritmeyer.
- Bibelbezug: 2. Könige 18–19 (Sanheribs Feldzug); 2. Könige 20,20 und 2. Chronik 32,2-5.30 (Mauer und Tunnel); Jesaja 22,9-11; Jesaja 36–37.
4Zeit Nehemias
445 v. Chr.

Stadtmodell (© Leen Ritmeyer) und Mauerkarte nach Nehemia 3 (© Gladius Spiritus).
Es kam, wie die Propheten gewarnt hatten: 586 v. Chr. zerstörten die Babylonier Jerusalem samt Tempel und Mauern, und das Volk ging in die Verbannung. Doch Gott brachte einen Rest zurück. Rund 140 Jahre später erhielt Nehemia, ein hoher Beamter am persischen Königshof, die Erlaubnis, nach Jerusalem zu ziehen und die Mauer wieder aufzubauen.
Was folgte, ist eine der eindrücklichsten Bauberichte der Bibel. In nur zweiundfünfzig Tagen wurde die gesamte Stadtmauer wiedererrichtet – trotz Spott und Drohungen der Gegner (Nehemia 4). Nehemia 3 zählt Abschnitt für Abschnitt auf, wer an welchem Stück baute: Priester, Goldschmiede, Salbenmischer, ganze Familien, sogar die Töchter eines Bezirksvorstehers. Genau diese Aufstellung bildet die Mauerkarte von Gladius Spiritus ab.
AUS DEM TEXT:
So wurde die Mauer vollendet am fünfundzwanzigsten Tag des Monats Elul, in zweiundfünfzig Tagen.
Nehemia 6,15
Auf dem Plakat sind die Tore und Türme beschriftet, die Nehemia 3 nennt: das Fisch-Tor, das Schaf-Tor, das Tor Miphkad, der Turm Hananeel und der Turm Mea, der Eck-Turm, das Ost-Tor – ein regelrechter Rundgang um die Mauer. Der Wiederaufbau war mehr als Bautechnik: Mit der Mauer stand auch das Volk Gottes wieder als geordnete Gemeinde da, bereit, das Wort Gottes zu hören (Nehemia 8).
QUELLEN
- Rekonstruktionszeichnung: Leen Ritmeyer. Mauerkarte: Gladius Spiritus (etgladium.de), „Aufbau der Stadtmauer Jerusalems unter Nehemia“, nach Nehemia 3.
- Bibelbezug: Nehemia 2–6 (Mauerbau); Nehemia 3 (die Bauabschnitte und Tore); Nehemia 6,15 (52 Tage); Nehemia 8 (Verlesung des Gesetzes).
5Das weitere Wachstum

Die Umrisse der Stadt in acht Epochen – von Jebus bis in die byzantinische Zeit (© Leen Ritmeyer).
Die kleine Reihe von Umrissen am Plakat zeigt auf einen Blick, wie das antike Jerusalem (grau) im Lauf der Jahrhunderte wuchs und schrumpfte. Sie beginnt bei der winzigen Jebusiterstadt und reicht über acht Stufen bis zur byzantinischen Zeit:
- Jebus / Davidsstadt (um 1000 v. Chr.) – der schmale Südhügel.
- Salomo (um 970 v. Chr.) – Erweiterung nach Norden zum Tempelberg.
- Hiskia bis Zedekia (700–586 v. Chr.) – Übergreifen auf den Westhügel.
- Nehemia (445 v. Chr.) – der verkleinerte Wiederaufbau nach dem Exil.
- Hasmonäer (2.–1. Jh. v. Chr.) – erneutes Wachstum unter den Makkabäer-Nachkommen.
- Herodes der Große (um 30 v. Chr.) – die größte Ausdehnung, mit dem gewaltig erweiterten Tempelplatz.
- Zerstörung 70 n. Chr. – das Ende der Stadt und des Tempels durch die Römer.
- Byzantinische Zeit (ab 4. Jh. n. Chr.) – die christliche Neubebauung.
Die Zeit des Herodes ist für die Ausstellung besonders wichtig, denn in dieser Stadt lebte, lehrte, starb und auferstand der Herr Jesus Christus. Der herodianische Tempel und seine Deutung sind eigens dokumentiert (siehe „Modell des herodianischen Tempels“).
Über die Zerstörung im Jahr 70 aber hat Jesus selbst gesprochen, als er über die Stadt weinte – eine Weissagung, die sich keine vierzig Jahre später buchstäblich erfüllte:
Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufschütten … und werden dich dem Erdboden gleichmachen … weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.
Lukas 19,43-44
Ein Ort, an dem Gott handelt
Jerusalem ist nicht irgendeine antike Stadt, sondern der Ort, den Gott sich erwählt hat, um unter seinem Volk zu wohnen. Ihre Geschichte lässt sich im Boden nachprüfen. Die Gihon-Quelle, der Hiskia-Tunnel mit seiner Inschrift, die Breite Mauer, Abschnitte der Nehemia-Mauer – vieles, was die Bibel berichtet, ist archäologisch fassbar. Die Rekonstruktionen des Plakats stehen also nicht auf frommer Fantasie, sondern auf Grabungsbefunden und den genauen Ortsangaben der biblischen Texte.
Und die Geschichte reicht über das Jahr 70 hinaus. Die Bibel schließt nicht mit der zerstörten Stadt, sondern mit einer neuen: dem himmlischen Jerusalem, in dem Gott endgültig bei den Menschen wohnt – ohne Tempel, denn Gott selbst und das Lamm sind sein Tempel (Offenbarung 21,22). Das irdische Jerusalem, das dieses Plakat zeigt, ist von Anfang an ein Bild und ein Versprechen dieser bleibenden Stadt.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.
Offenbarung 21,2
Quellen und Bildnachweis
- Rekonstruktionszeichnungen: Leen Ritmeyer (Ritmeyer Archaeological Design). Die abgebildeten Ausschnitte dienen nur der Orientierung und sind urheberrechtlich geschützt.
- Mauerkarte Nehemia: Gladius Spiritus (etgladium.de), „Aufbau der Stadtmauer Jerusalems unter Nehemia“, nach Nehemia 3.
- Bibelzitate: nach der Schlachter-Übersetzung 2000.
- Weiterführend: Dokumentation „Modell des herodianischen Tempels“ (zur Zeit des Herodes und zum Tempel).
