Jerusalem-Modell

Der Name „Zion“ bezeichnete ursprünglich die jebusitische Festung auf dem südöstlichen Hügel, die David eroberte (2. Samuel 5,7) – also die Davidsstadt. Später ging der Name auf den Tempelberg über. Schließlich, gegen Ende der Periode des zweiten Tempels, bezeichnete man als Zion den höheren, mächtigeren Westhügel der Stadt. Dieser Westhügel heißt bis heute „Zionsberg“,1 obwohl er erst seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. zu Jerusalem gehört. In jener Zeit wurde er nämlich von dem König Hiskia ummauert. Hiskias „Breite Mauer“ – an einer Stelle sieben Meter dick – legte Nahman Avigad frei; sie passt zum biblischen Bericht, wonach man Häuser niederriss, um die Mauer zu befestigen (Jesaja 22,10; Nehemia 3,8).2
Zur Zeit Jesu lag auf diesem Westhügel die „Obere Stadt“ – das vornehme Viertel der Reichen und Mächtigen. Hier standen prächtige Wohnhäuser, der Palast Herodes’ des Großen und die Residenz des Hohenpriesters; hier lebten die Familien, die im Tempelbetrieb und in der römischen Ordnung den Ton angaben.3 Die Ausgrabungen Nahman Avigads im heutigen Jüdischen Viertel (1969–1982) haben prunkvolle Wohnhäuser mit Fresken, Mosaiken, eigenen Tauchbädern und steinernen Gefäßen ans Licht gebracht, dazu das „Verbrannte Haus“ der Priesterfamilie Kathros, das noch die Brandspuren der Zerstörung von 70 n. Chr. trägt.4 Am Südwesthang siedelte zudem vermutlich eine Gemeinschaft der Essener.5
Gerade auf diesem Hügel aber sollte Großes geschehen. Nach alter Überlieferung lagen hier der Obersaal des letzten Abendmahls und jenes Haus, in dem zu Pfingsten der Heilige Geist auf die Jünger herabkam.6 So wurde der Zionsberg zur Wiege der Gemeinde – jenes „Zion“, von dem die Schrift sagt: „Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN aus Jerusalem“ (Jesaja 2,3).
Fußnoten
- Josephus verortete die „Burg Davids“ irrig auf dem höheren Westhügel (Jüdischer Krieg 5,137). ↩
- Die „Breite Mauer“ (an einer Stelle 7 m dick) legte N. Avigad 1970 frei. Vgl. Wikipedia, „Broad Wall“; „Mount Zion“. ↩
- Vgl. seetheholyland.net, „Mount Zion“. ↩
- Ausgegraben von N. Avigad (1969–1982): das „Herodianische Viertel“ (Wohl-Museum) mit Prachtvillen (Fresken, Mosaiken, Mikwaot) und das „Verbrannte Haus“ der Priesterfamilie Kathros (ein Steingewicht trägt die Aufschrift „Bar Kathros“). Vgl. Wikipedia, „Herodian Quarter“; „Burnt House“. ↩
- Josephus, Jüdischer Krieg 5,145 („Tor der Essener“); vgl. die Station „Das Viertel der Essener“. ↩
- Frühe judenchristliche Tradition (byzantinische Hagia Sion); das heutige Cenaculum ist kreuzfahrerzeitlich, die genaue Lokalisierung nicht gesichert. Vgl. seetheholyland.net. ↩
