Jerusalem-Modell

Östlich der Stadt, jenseits des Kidrontals, erhebt sich ein langer Höhenzug, der den Tempelberg überragt: der Ölberg, von dem in unserem Modell nur sein Ansatz mit dem Garten Gethsemane erkennbar ist. Einst war er mit dichten Ölbaumhainen bedeckt – was ihm den Namen Ölberg einbrachte. Von seiner Höhe bietet sich der schönste Blick auf den Tempel und die ganze Stadt. Dieser Berg ist mit vielen biblischen Geschichten verbunden: David floh weinend über den Ölberg vor Absalom (2. Samuel 15,30). In Hesekiels Vision verließ die Herrlichkeit des HERRN den Tempel ostwärts auf „den Berg, der östlich der Stadt liegt“ (Hesekiel 11,23). Von hier zog Jesus am Palmsonntag in die Stadt ein (Matthäus 21,1), hier weinte über sie (Lukas 19,41). Hier sprach er zu seinen Jüngern über zukünftige Ereignisse und über sein zweites Kommen (Matthäus 24–25). Am Fuße dieses Berges Fuß rang er in Gethsemane.
Auch der Tempeldienst war sehr eng mit diesem Berg verbunden. Gegenüber dem Heiligtum, auf dem Gipfel des Ölbergs, wurde die rote Kuh verbrannt, deren Asche von der Verunreinigung durch den Tod reinigte (4. Mose 19). Über das Kidrontal hinweg führte ein eigens dazu gebauter zweistöckiger Brückendamm. Der opfernde Priester blickte vom Ölberg geradewegs zum Eingang des Tempels.1
Auf diesem Berg verabschiedete sich Jesus von seinen Jüngern, um zurück zum Vater zu gehen. Hier, in der Nähe von Bethanien, segnete der Auferstandene die Seinen – und wurde vor ihren Augen emporgehoben, bis eine Wolke ihn aufnahm. Während sie noch zum Himmel emporschauten, standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen und sprachen: „Dieser Jesus … wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apostelgeschichte 1,11).
Der Ölberg ist damit ein Ort der Verheißung. Schon der Prophet Sacharja hatte gesagt: „An jenem Tag werden seine Füße auf dem Ölberg stehen … und der Ölberg wird sich spalten“ (Sacharja 14,4). In dieser Hoffnung haben sich seit alters unzählige Juden an seinem Hang bestatten lassen, um bei der Ankunft des Messias als Erste aufzuerstehen; der jüdische Friedhof am Westhang zählt über hunderttausend Gräber. Kapellen und Kirchen erinnern an Himmelfahrt, Gebet und Tränen des Herrn: die Himmelfahrtskapelle mit dem „Fußabdruck“, die Pater-Noster-Kirche und Dominus Flevit.2
Der Weg durch Jerusalem führt nicht nur zum Kreuz und zum leeren Grab, sondern hinauf zum Ölberg, von dem aus der Auferstandene zum Vater auffuhr – und auf den er einst zurückkehren wird. „Komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22,20).
Fußnoten
- Zur roten Kuh und zum zweistöckigen Brückendamm über den Kidron: Mischna, Para 3,6; L. Ritmeyer, „The Temple and the Rock“, S. 38–40; Roger Liebi, Der Messias im Tempel, CLV 2021, S. 202–204. ↩
- Unter Dominus Flevit legte B. Bagatti (1953–55) eine Nekropole mit beschrifteten Ossuarien frei. Die Zuordnung der Gedenkkirchen (Imbomon, Pater Noster, Dominus Flevit) ist Überlieferung. ↩
