Das Grab Jesu

Jerusalem-Modell

Das Grab Jesu

Ganz in der Nähe von Golgatha, in einem Garten, lag ein neues Grab. Es gehörte Joseph von Arimathia, einem reichen Ratsherrn und heimlichen Jünger Jesu; in den Felsen gehauen, hatte noch nie jemand darin gelegen (Lukas 23,53) – so erfüllte sich das Prophetenwort, der Knecht Gottes werde „bei einem Reichen sein in seinem Tod“ (Jesaja 53,9). Eilig, noch vor Anbruch des Sabbats, betteten Joseph und Nikodemus den Leichnam Jesu hinein, umwickelt mit Leinentüchern und wohlriechenden Spezereien (Johannes 19,39–42). Ein großer Rollstein, wie er vor allem bei wohlhabenden Familien bekannt war, verschloss den Eingang; die Obersten ließen ihn versiegeln und bewachen (Matthäus 27,62–66).1

Doch am dritten Tag war das Grab leer. Der Stein war weggewälzt, die Leinentücher lagen da, das Schweißtuch zusammengewickelt an einem Ort für sich (Johannes 20,6–7) – und der Engel sprach zu den Frauen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“

Seit dem 4. Jahrhundert verehrt man am Ort der Grabeskirche ein Felsengrab, dem man zuschreibt, das Grab Jesu gewesen zu sein. Bei der Restaurierung der Grabädikula 2016/17 legte man die ursprüngliche Felsbank wieder frei; der Mörtel zwischen Felsbank und Marmorverkleidung datiert in konstantinische Zeit.2 Beweisen lässt sich nicht, dass es genau dieses Grab war – wohl aber, dass hier ein jüdisches Felsengrab des 1. Jahrhunderts (mit Grabkammern vom Typ der „Kokim“) seit jeher als Grab Jesu verehrt wurde.3

Das Grab Jesu musste ein neues Grab sein, in dem noch niemand gelegen hatte – denn der, den man hineinlegte, sollte die Verwesung nicht sehen (Psalm 16,10). Das Grab konnte ihn nicht halten. Und weil es ihn nicht hielt, ist es bis heute das hoffnungsvollste Grab der Welt: ein leeres.

Fußnoten

  1. Scheibenförmige Rollsteine sind nur von wenigen Gräbern wohlhabender Familien bekannt. Vgl. A. Kloner, „Did a Rolling Stone Close Jesus’ Tomb?“, Biblical Archaeology Review 25/5 (1999).
  2. Bei der Restaurierung der Ädikula 2016/17 (Nationale Technische Universität Athen) wurde die Felsbank freigelegt; Mörtelproben datieren in konstantinische Zeit (um 345 n. Chr.). Vgl. National Geographic (2017).
  3. Hinter der Ädikula liegt ein Felsengrab des 1. Jh. (Kokim-Typ); die Verehrung als Grab Jesu reicht bis ins 4. Jh. zurück. Vgl. Wikipedia, „Church of the Holy Sepulchre“.