Die einzelnen Gebäude des Heiligtums und ihre Bedeutung

Tempel-Modell

Der Vorhof der Frauen

Abb. 37: Der Vorhof der Frauen mit den vier Eckhöfen und den vier großen Leuchtern.

Der Vorhof der Frauen ist, im Gegensatz zum Israel-Vorhof, ein Bereich, wo Frauen der Zutritt gestattet ist. Jedoch ist er nicht, wie der Name zunächst vermuten lässt, nur für Frauen zugänglich; alle kultisch reinen jüdischen Kinder, Männer und Frauen dürfen ihn betreten.1 Mit seiner Fläche von 5023,2 m² bietet er den ankommenden Juden bei Tempelfesten Platz, um die großen Gottesdienste unter freiem Himmel zu feiern.

Auf den Säulenhallen, die den Frauen-Vorhof umgeben, gibt es eine Art „Logenplätze“, welche die beste Aussicht auf die Abläufe der Gottesdienste bieten und ausschließlich den Frauen vorbehalten sind.2 In den vier Ecken liegen vier Höfe: der Holz-Hof (Nordosten), der Lepra- oder Aussätzigen-Hof (Nordwesten), der Öl-Hof (Südwesten) und der Nasiräer-Hof (Südosten).3

Osttor

Abb. 38: Das Osttor des Frauen-Vorhofs (Schuschan-Tor).

Das Osttor befindet sich im Bereich der Säulenhalle Salomos und fungiert als gewöhnlicher Eintritt in das Tempelhaus. Zwei originale Torpfosten, die zu den ältesten Bausteinen des gesamten Tempelberges gehören, sind bis heute erhalten; einer ist ca. 3,65 m, der andere ca. 4,60 m hoch. Das Osttor wird auch „Schuschan-Tor“ genannt: Als dankbares Andenken an die Unterstützung der Perser bei der Errichtung des Tempels wurde eine Abbildung des Palastes der persischen Hauptstadt Susa (hebr. Schuschan) an dem Tor angebracht.4

Der Zugang von Osten hat eine tiefere Bedeutung: Im Gegensatz zu heidnischen Religionen, in denen der Tempelbesucher den Tempel mit dem Gesicht zur aufgehenden Sonne betritt, ist das Tempelhaus nach Osten hin ausgerichtet, sodass die eintretende Person der Sonne den Rücken zukehrt. Dies bringt zum Ausdruck, dass es einen bedeutenden Unterschied zwischen Schöpfer und Schöpfung gibt und die Natur nicht – wie im Heidentum angenommen – Gott gleichzusetzen ist.5

Der Weg aus dem Osten her – sowohl beim Osttor als auch beim Nikanor-Tor – vermittelt eine weitere entscheidende Bedeutung: Nachdem der Mensch aufgrund des Sündenfalls aus dem Paradies vertrieben wurde, versperrte ein Engel den Eingang im Osten (1. Mose 3,24). Das Osttor wird demnach symbolisch als Ort der Gottesentfremdung verstanden. Wie anhand des Tempels verdeutlicht wird, gibt es einen Weg zurück „in den Westen“, wo die Wohnstätte Gottes ist. Dieser Weg führt unumgänglich an dem stellvertretenden Opfer auf dem Altar vorbei.6

Versammlungsraum

Der Frauen-Vorhof diente zugleich als große Versammlungsfläche für Gottesdienste unter freiem Himmel – insbesondere während der drei Wallfahrtsfeste. Hier standen auch die dreizehn schopharförmigen Opferkästen für die Tempelspenden. An einem von ihnen beobachtete Jesus die arme Witwe, die zwei Scherflein einwarf (Markus 12,41-44).7

Vier Leuchter

Abb. 39: Die vier großen goldenen Leuchter im Frauen-Vorhof.

Obwohl die vier goldenen Leuchter feste Bestandteile des Frauen-Vorhofs sind, werden sie nur anlässlich der Feste Sukkot (Laubhüttenfest) und Chanukka angezündet. Dafür klettern junge Priester mithilfe von Leitern die 26,25 m hohen Leuchter hinauf und füllen jeweils 9 Liter Öl in die vier Schalen jeder Lampe. Als Brennmaterial dienen abgenutzte Priesterkleider, wobei die aus Flachs hergestellten Gürtel als Dochte verwendet werden.8

Das Licht der Leuchter taucht die Umgebung des Tempelplatzes in ein feierliches Licht und sorgt dafür, dass die Gottesdienste auch während der Nacht stattfinden können. Dies ist wichtig, da das Laubhüttenfest nicht nur auf den Tag beschränkt ist, sondern auch die Nächte einschließt.9

Der Ursprung der Leuchter ist auf die Schechina des ersten Tempels zurückzuführen. „Schechina“ bezeichnet die Anwesenheit Gottes, die damals bei Tag als Wolke und in der Nacht als Feuersäule sichtbar war (2. Mose 13,21). Im herodianischen Tempel gelten die vier Leuchter gleichsam als Ersatz für die nun nicht mehr vorhandene Schechina.10

Vor genau diesem Hintergrund ist das Wort Jesu am Laubhüttenfest zu verstehen: „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12) – gesprochen in der Schatzkammer, also im Frauen-Vorhof, im Angesicht dieser Leuchter. Nicht ein Ersatzlicht, sondern das wahre Licht war gekommen.11

Südtor

Abb. 40: Das Südtor des Frauen-Vorhofs.

Der Frauen-Vorhof besitzt neben dem Osttor jeweils ein Tor im Süden und im Norden. Über sie gelangten die Besucher vom Tempelplatz her in den heiligen Bereich – der Weg vom Hulda-Tor im Süden führte über den Vorhof der Heiden zum Südtor des Frauen-Vorhofs.12

Ölhof

Abb. 41: Der Öl-Hof in der Südwest-Ecke des Frauen-Vorhofs.

Der in der südwestlichen Ecke angesiedelte Öl-Hof fungiert als Depot für Wein und Öl. Olivenöl wird im Tempel vielfach benötigt und eingesetzt, z. B. bei der Salbung der Speisopfer, als Brennstoff für den siebenarmigen Leuchter im Heiligen und für die vier Leuchter im Vorhof der Frauen. Der Wein, der ebenfalls im Öl-Hof gelagert wird, ist für die Trankopfer bestimmt (vgl. 2. Mose 29,40).13

Paulus greift das Bild des Trankopfers auf, wenn er von seinem eigenen Leben schreibt: „Wenn ich auch als Trankopfer über das Opfer … ausgegossen werde, so freue ich mich“ (Philipper 2,17; vgl. 2. Timotheus 4,6).

Nasiräerhof

Abb. 42: Der Nasiräer-Hof in der Südost-Ecke des Frauen-Vorhofs.

In der südöstlichen Ecke des Frauen-Vorhofes befindet sich der Nasiräer-Hof. Nach Ablauf ihres Gelübdes reinigen sich die Nasiräer dort, schneiden ihre Haare, verbrennen diese in einer dafür vorgesehenen Feuerstelle und bereiten das Friedensopfer zu (4. Mose 6,13-20).14

Ein Nasiräer verzichtet während der Zeit seines Gelübdes freiwillig auf Trauben und Wein, um dadurch eine besondere Hingabe an Gott auszudrücken. Auch unterlässt er es, sein Haar zu schneiden, was ein Zeichen dafür sein soll, dass er abgesondert und Gott geweiht ist. Auch wenn der Herr Jesus selbst kein Nasiräer gemäß dem mosaischen Gesetz war, so war er es doch im übertragenen Sinne: Sein Leben war ein vollkommenes Beispiel der Aufopferung und Hingabe an Gott.15

Im Nasiräer-Hof spielt sich zudem eine Szene der Apostelgeschichte ab: Paulus übernahm die Opferkosten für vier Nasiräer, um seine Treue zum Gesetz zu zeigen – und wurde gerade dabei im Tempel ergriffen (Apostelgeschichte 21,23-27).16

Nordtor

Abb. 43: Das Nordtor des Frauen-Vorhofs.

Das Nordtor bildet das Gegenstück zum Südtor und erschließt den Frauen-Vorhof von der Nordseite des Tempelplatzes her.

Holzhof

Abb. 44: Der Holz-Hof in der Nordost-Ecke des Frauen-Vorhofs.

Wie der Name vermuten lässt, ist der Holz-Hof ein Lagerplatz für das Holz des Brandopferaltars. Dabei handelt es sich meist um das Holz von Nuss- und Feigenbäumen, wobei grundsätzlich alle Holzarten bis auf das der Weinstöcke und Olivenbäume zugelassen sind.17 Das Holz wird dort von den Nachkommen Aarons, die körperliche Gebrechen aufweisen und deswegen keine priesterlichen Tätigkeiten ausführen dürfen (3. Mose 21,16-23), sortiert. Das gute Holz wird dann gelagert, um schließlich für das Altarfeuer verwendet zu werden.

Eine bemerkenswerte rabbinische Überlieferung verbindet den Holz-Hof mit der verschollenen Bundeslade: Ein Priester habe dort beim Holzsortieren eine abweichende Pflasterplatte entdeckt – die Stelle, an der die Lade verborgen sein soll. Er starb, bevor er es aussprechen konnte.18

Aussätzigenhof (Lepra-Hof)

Abb. 45: Der Lepra-Hof in der Nordwest-Ecke des Frauen-Vorhofs.

In der Nordwest-Ecke des Frauen-Vorhofs befindet sich der Lepra-Hof. Darin steht ein Ritualbad für gesund gewordene Aussätzige, die nach Durchlaufen der siebentägigen Reinigungsvorschriften (3. Mose 14,1-9) am achten Tag zum ersten Mal wieder in den Tempel kommen durften, um die im Gesetz festgelegten Rituale zu vollziehen und ihre Opfer darzubringen (3. Mose 14,10ff.).19

Der Aussatz musste von speziell dafür ausgebildeten Priestern diagnostiziert werden (3. Mose 13). Wer erkrankt war, musste zum Schutz der anderen aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden (3. Mose 13,45-46) – der Aussätzige galt gleichsam als bei lebendigem Leib tot. Eine Heilung erwartete man allein von Gott; sie wurde dem Wunder einer Totenauferweckung gleichgeachtet.20

Genau hierher schickte Jesus die zehn Aussätzigen, die er geheilt hatte: „Geht hin und zeigt euch den Priestern“ (Lukas 17,14). Nur einer kehrte um, um zu danken – und ausgerechnet er war ein Samariter, ein „Fremdstämmiger“ (Lukas 17,18).21

Halbkreistreppe

Vom Vorhof der Frauen hinauf zum Nikanor-Tor führen 15 Stufen, die im Halbkreis angeordnet sind und bei großen Festen die Funktion eines Chor- und Orchester-Podiums erfüllen; auf ihnen wird während der Gottesdienste Musik gemacht.22

Die 15 Stufen symbolisieren die 15 „Stufenlieder“, die in den Psalmen 120–134 als geschlossene Einheit zu finden sind und die harmonische Gemeinschaft des jüdischen Volkes im Tempel – mit Gott und untereinander – thematisieren. Diese Stufenlieder, auch als „Lieder der Hinaufzüge“ (hebr. schir ha-ma’alot) bezeichnet, singt das Volk, wenn es anlässlich des Passah-, Pfingst- und Laubhüttenfestes nach Jerusalem hinaufzieht.23 Auch der zwölfjährige Jesus ging diesem Brauch nach, als er mit seinen Eltern zum Passahfest nach Jerusalem reiste (Lukas 2,42).

Abb. 46: Die halbkreisförmige Treppe mit 15 Stufen zum Nikanor-Tor.

Musikinstrumentenlager

Abb. 47: Das Lager der Musikinstrumente am Frauen-Vorhof.

Unter der Halbkreistreppe bzw. in angrenzenden Kammern wurden die Instrumente der Leviten aufbewahrt. Im Tempel erklangen Harfen und Lauten, Zimbeln, Flöten sowie das Schophar (Widderhorn) und die silbernen Posaunen (4. Mose 10,1-10).24

Der Tempelgesang war kein Beiwerk, sondern Teil des Opferdienstes: Zu jedem Tagesopfer sangen die Leviten den Psalm des jeweiligen Wochentags. Liebi zeigt, dass diese Tagespsalmen in der Passionswoche in bemerkenswerter Weise zum Geschehen passten – am Karfreitag etwa Psalm 93.25

Nikanortor

Abb. 48: Das Nikanor-Tor – der prächtigste Zugang, zwischen Frauen-Vorhof und Israel-Vorhof.

Abb. 49: Das Nikanor-Tor von vorn.

Durch das Nikanor-Tor gelangt man vom Vorhof der Frauen über die Halbkreistreppe in den Israel-Vorhof, das „Lager der Schechina“. Das Tor ist nach Josephus 22,5 m hoch und 18 m breit. Es ist kunstvoll ausgearbeitet und übertrifft in seiner künstlerischen Gestaltung und in seinem Wert die anderen Tempeltore bei weitem – seine Türflügel bestanden aus korinthischer Bronze.26

Während man beim Betreten des Tempelhauses durch das Tor der aufgehenden Sonne den Rücken zukehrt, soll verhindert werden, dass man diesen auf dem Rückweg gegen den heiligen Gott richtet. Aus diesem Grund befinden sich rechts und links vom Nikanor-Tor zwei kleinere Ausgänge, die man beim Verlassen benutzt.27 Diese Regelungen bringen eine tiefe Ehrfurcht vor Gott zum Ausdruck.

Der Tempelhof

Hinter dem Nikanor-Tor beginnt der innerste Vorhof, das „Lager der Schechina“. Er zerfällt in einen schmalen Streifen für die Laien (Israel-Vorhof) und den eigentlichen Priester-Vorhof mit Altar, Schlachtplatz und Waschbecken.

Vorhof der Israeliten

Abb. 50: Der Israel-Vorhof – ein schmaler Streifen für die Laien, dicht am Geschehen.

Der Israel-Vorhof ist ein schmaler Bereich von 135 × 11 Ellen (70,87 × 5,77 m). Hier standen die jüdischen Männer in unmittelbarer Nähe zum Tempelhaus und konnten die Priester bei ihrem vielfältigen Dienst rund um den Altar aus nächster Nähe beobachten.28

In diesem Vorhof ist das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner zu verorten: Der Pharisäer stellte sich an erhabener Stelle hin – also hier, ganz vorn –, während der Zöllner „von ferne stand“ (Lukas 18,13), vermutlich außerhalb des heiligen 500-Ellen-Quadrats. Und doch ging gerade dieser gerechtfertigt nach Hause.29

Vorhof der Priester

Abb. 51: Der Priester-Vorhof mit Altar, Rampe und Schlachtplatz.

Der Priester-Vorhof umgibt den Altar und das Tempelhaus. Er war den diensttuenden Priestern vorbehalten; Laien betraten ihn nur, um beim eigenen Opfertier die Hand aufzustemmen und es zu schlachten (3. Mose 1,4-5). Unmittelbar vor dem Nikanor-Tor lag der Duchan, ein Podium aus Stufen von je einer halben Elle Höhe, auf dem die levitischen Sänger und Musiker standen.30

Schlachtplatz

Abb. 52: Der Schlachtplatz nördlich des Altars mit Ringen, Pfeilern und Tischen.

Abb. 53: Nahaufnahme: die eisernen Haken und die Marmortische.

Nördlich vom Altar befand sich der Schlachtplatz (hebr. beit ha-mitbachim). Dort standen vier Reihen von je sechs Ringen, an denen die Opfertiere vor der Schlachtung festgemacht wurden. Die Lage entspricht genau der Anweisung der Thora: Das Brandopfer sollte „an der Seite des Altars gegen Norden“ geschlachtet werden (3. Mose 1,11).31

An acht niedrigen Pfeilern mit Holzaufsatz waren eiserne Haken eingelassen, an denen man die geschlachteten Tiere aufhängte; auf acht Marmortischen dazwischen wurden sie gehäutet.32

Diese Handlung, die täglich im Tempel zu sehen war, wies in bewegender Weise auf den Messias hin – auf den mit Nägeln an ein Holz Gehängten. Paulus schreibt: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“ (Galater 3,13; vgl. 5. Mose 21,23).33

Bevor ein Tier geschlachtet wurde, musste es „vor dem HERRN dargebracht“ (hebr. hiqriv) werden – eine feierliche Weihe unmittelbar vor dem Eingang des Tempelhauses. Genau darauf spielt Paulus an: „… dass ihr eure Leiber darstellt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer“ (Römer 12,1). Das griechische Verb paristemi entspricht dem hebräischen hiqriv.34

Altar

Abb. 54: Der Brandopferaltar mit Rampe – der Mittelpunkt des Opferdienstes.

Der Brandopferaltar (hebr. mizbeach) war quadratisch, wie es Gott bereits für die Stiftshütte ausdrücklich angeordnet hatte (2. Mose 27,1). Nach rabbinischer Überlieferung betrug seine Gesamthöhe 10 Ellen (5,25 m). Er bestand von unten nach oben aus vier Abschnitten:35

• Fundament (hebr. jesod), 1 Elle hoch, Grundfläche 32 × 32 Ellen (16,8 × 16,8 m).

• Unterer Altarteil bis zum Rundgang, 5 Ellen, Grundfläche 30 × 30 Ellen (15,75 × 15,75 m).

• Oberer Altarteil vom Rundgang bis zu den Feuerstellen, 3 Ellen, 28 × 28 Ellen (14,7 × 14,7 m).

• Die Hörner an den vier Ecken, je 1 Elle (0,525 m) hoch.

Auf einer Höhe von 6 Ellen verengte sich der Altar ringsum um eine Elle; diese Verengung bildete den Rundgang (hebr. sovev), von dem aus die Priester die Feuerstellen erreichten. Auf der Südseite führte eine 32 Ellen (16,8 m) lange Rampe (kevesch) hinauf – Stufen waren verboten (2. Mose 20,26). Der Altar bestand aus unbehauenen Steinen (2. Mose 20,25); eine rote Linie (chut schel siqra) um seine Mitte markierte, wo das Blut oben bzw. unten zu sprengen war.36

An der Südwest-Ecke des Fundaments lagen zwei schmale Löcher: Durch sie floss das Blut über einen Kanal ins Kidron-Tal ab.37 Auf dem Altar brannte ein beständiges Feuer, das nie erlöschen durfte (3. Mose 6,5-6). Es spricht von Gottes unaufhörlichem Zorn gegen die Sünde – einem Zorn, der am Kreuz den Erlöser traf (vgl. Psalm 88,17; Römer 5,9).38

In der Quadratform des Altars sieht Liebi ein Sinnbild: Am Altar begegnen sich Gottes Gerechtigkeit, die das Gericht über die Sünde fordert, und Gottes Liebe, die dem reumütigen Sünder vergeben will. Beides steht in vollkommenem Ebenmaß – Gott ist Licht und Liebe (1. Johannes 1,5; 4,8).39 Die vier Hörner erinnern zudem an die vier Himmelsrichtungen: Das Heil in Christus gilt allen Völkern.

Waschbecken

Abb. 55: Das eherne Waschbecken zwischen Vorhalle und Altar.

Das auf einem Gestell ruhende Waschbecken (hebr. kijor) für die Priester stand zwischen der Vorhalle des Tempels und dem Altar, etwas nach Süden versetzt. Es bestand – entsprechend seinem Vorbild in der Stiftshütte – aus Bronze (2. Mose 30,17-21).40

Ben Qattin, ein Hoherpriester aus vorchristlicher Zeit, brachte zwölf Hähne an, sodass sich ein Dutzend Priester gleichzeitig reinigen konnten. Ferner konstruierte er eine Vorrichtung, mit der das gesamte Becken für die Nacht in einen Brunnen abgesenkt werden konnte, damit das Wasser nicht rituell unrein wurde.41

Die Priester wuschen daran immer wieder ihre Hände und Füße, ehe sie ins Heiligtum eintraten oder dem Altar nahten – „damit sie nicht sterben“ (2. Mose 30,20-21). Obwohl der Erlöste durch das „Wasserbad der Wiedergeburt“ (Titus 3,5) ein für alle Mal rein geworden ist, brauchen seine Wege täglich Reinigung durch das Wort Gottes (1. Johannes 1,9) – davon redet das Waschbecken in symbolischer Sprache.42

Der Bereich zwischen Vorhalle und Altar hatte besondere Bedeutung: Hier fand nach dem Wort Jesu die Ermordung des Sacharja statt (Matthäus 23,35; 2. Chronik 24,20-22), und hier sollten nach Joel 2,17 die Priester weinen und beten.43

Der Tempel

Abb. 56: Das Tempelhaus mit Vorhalle, Heiligem und Allerheiligstem.

Das eigentliche Tempelhaus (griech. naos) besteht aus drei Teilen: der Vorhalle, dem Heiligen und dem Allerheiligsten. Um das Heilige und das Allerheiligste liefen auf drei Geschossen Seitenkammern; darüber lag ein Obergeschoss.44 Herodes ließ das Tempelhaus gegenüber dem salomonischen Bau deutlich überhöhen – das Recht dazu leitete man aus Esra 9,9 ab („um das Haus unseres Gottes zu erhöhen“).45

Das Neue Testament unterscheidet sorgfältig zwischen hieron (dem gesamten Tempelbezirk) und naos (dem Tempelhaus selbst). Jesus lehrte im hieron; nur Priester betraten den naos. Als Zacharias „in den Tempel des Herrn“ hineinging, um zu räuchern (Lukas 1,9), steht dort naos.46

Eingangstreppe

Abb. 57: Die zwölf Stufen von der Vorhalle hinauf zum Tempelhaus.

Über zwölf Stufen gelangten die Priester zum Eingang der Vorhalle. Dieses Tor besaß die einladenden Maße von 40 × 20 Ellen – das entspricht einer Höhe von 21 m bei einer Breite von 10,5 m.47

Eingangshalle

Abb. 58: Die Vorhalle mit dem goldenen Weinstock über dem Eingang.

Der Eingang zur Vorhalle konnte mit einem prächtigen Teppichbehang verschlossen werden; normalerweise war er jedoch aufgerollt, damit der Blick auf die Kostbarkeiten der Vorhalle frei blieb.48 Innerhalb der Vorhalle standen nahe dem Eingang zum Heiligen zwei Tische: einer aus Silber, einer aus Gold. Auf dem silbernen wurden die Schaubrote abgestellt, bevor sie ins Heilige gebracht wurden; auf dem goldenen deponierte man sie, wenn sie eine Woche später wieder herausgeholt wurden.49

Direkt über dem Eingang traten fünf mit Gold überzogene Balken gesimsartig aus der Fassade hervor – jeder um eine Elle länger als der darunterliegende, der oberste 30 Ellen (15,75 m) lang.50

Die größte Sehenswürdigkeit aber war der goldene Weinstock über dem Eingang: eine Rebe aus purem Gold, an der Spender goldene Trauben, Beeren und Blätter aufhängen konnten, sodass er ständig wuchs.51 Der Weinstock war das Sinnbild Israels (Psalm 80,9-16; Jesaja 5,1-7). Vor genau diesem Hintergrund ist das Wort Jesu zu hören: „Ich bin der wahre Weinstock“ (Johannes 15,1) – er tritt an die Stelle des Volkes, das keine Frucht brachte.52

In der Vorhalle hingen ferner goldene Kronen, die nach Sacharja 6,9-15 an die messianische Verheißung erinnerten: „Er wird den Tempel des HERRN bauen … und er wird Priester sein auf seinem Thron.“53

Fassade

Die Fassade des Tempelhauses war 100 × 100 Ellen (52,5 × 52,5 m) groß und vollständig mit Gold überzogen; im Sonnenlicht war sie schon von Weitem blendend hell.54 Vier Säulen gliederten sie.

Das Tempelhaus war vorn breit und hinten schmal – wie ein liegender Löwe. Die Rabbinen nannten es deshalb Ari’el, „Gotteslöwe“ (vgl. Jesaja 29,1).55 Über dem Dach waren goldene Spitzen angebracht, damit sich keine Vögel darauf niederließen und das Haus verunreinigten.

Inneres

Abb. 59: Das Heilige mit siebenarmigem Leuchter, Schaubrottisch und Räucheraltar.

Das Innere des Heiligen war vollständig mit Gold überzogen. Die Ausstattung entsprach der Stiftshütte:56

• Auf der Südseite der siebenarmige Leuchter (hebr. Menora), 2½ Ellen von der Wand entfernt.

• Auf der Nordseite der Schaubrot-Tisch (hebr. schulchan panim), ebenfalls 2½ Ellen von der Wand.

• Im Westen, in der Mitte vor dem Scheidevorhang, der goldene Räucheraltar (hebr. mizbeach zahav).

Abb. 60: Der goldene Leuchter (Menora) im Heiligen.

Der goldene Leuchter durfte nicht gegossen werden, sondern musste in getriebener Arbeit aus einem Stück gefertigt sein (2. Mose 25,31-40). Das Öl in den sieben Lampen weist auf den Messias hin – das Wort bedeutet „der Gesalbte“. Paulus deutete die Menora vor König Agrippa messianisch: Der Messias werde leiden und als Erster durch die Totenauferstehung „Licht verkündigen, sowohl dem Volk als auch den Nationen“ (Apostelgeschichte 26,22-23).57

Abb. 61: Der goldene Räucheraltar vor dem Scheidevorhang.

Am goldenen Räucheraltar wurde morgens und abends Räucherwerk dargebracht. Dieser Dienst galt als der begehrteste im ganzen Tempel und wurde verlost; ein Priester durfte ihn in der Regel nur einmal im Leben ausüben. Während er räucherte, betete das Volk draußen (Lukas 1,10). Das Räucherwerk ist ein Bild der Gebete der Heiligen (Offenbarung 5,8; 8,3-4).58 Genau hier erschien dem Priester Zacharias der Engel Gabriel – zur Rechten des Räucheraltars (Lukas 1,11).

Abb. 62: Der Scheidevorhang zum Allerheiligsten.

Das Allerheiligste hatte im Zweiten Tempel eine Grundfläche von 20 × 20 Ellen (10,5 × 10,5 m) bei einer Höhe von 40 Ellen (21 m); seine Wände waren vollständig übergoldet.59 Es war leer: Die Bundeslade fehlte seit der Zerstörung des Ersten Tempels. Als Pompejus 63 v. Chr. gewaltsam eindrang, fand er zu seinem Erstaunen einen leeren Raum vor.60

Den Boden des Allerheiligsten bildete der gewachsene Fels – jener Fels, der heute im Felsendom zu sehen ist (17,94 × 13,19 m). Ritmeyers Untersuchungen von 1994 ergaben, dass die Südmauer des Allerheiligsten auf dem Felsen ruhte: Eine ausgeebnete Spur von exakt 3,15 m Breite ist bis heute sichtbar und entspricht genau der in Middot IV,7 bezeugten Mauerdicke von 6 Ellen. Der Abstand bis zur natürlichen Felsböschung im Norden beträgt exakt 20 Königsellen (10,5 m) – genau die überlieferte Breite des Allerheiligsten.61

Der Fels war damit zugleich Fundament und Eckstein des Tempels; im Talmud heißt er even schetijah, „Fundamentstein“.62 Von hier aus fällt Licht auf das neutestamentliche Zeugnis: Christus ist „der Eckstein“, auf den die Gemeinde als Tempel Gottes gebaut wird (Epheser 2,20-22; 1. Petrus 2,4-6).

Vor dem Allerheiligsten hing der Scheidevorhang. Als Jesus am Kreuz starb, „zerriss der Vorhang des Tempels in zwei Stücke, von oben bis unten“ (Matthäus 27,51) – von oben nach unten, also von Gott her. Der Hebräerbrief deutet ihn als das Fleisch Christi: Durch seinen Tod ist der Weg ins Heiligtum ein für alle Mal geöffnet (Hebräer 10,19-20).63

Tore und Hallen des Tempelhofs

Rings um das Lager der Schechina lagen Torgebäude und Hallen. Hier ist eine Vorbemerkung nötig: Die Mischna überliefert zwei verschiedene Traditionen. Middot I,4-5 (auf Eli’eser Ben Ja’akov zurückgehend, der den Tempel noch selbst erlebt hat) nennt je drei Torgebäude im Süden und Norden – ebenso Josephus. Middot II,6 (nach Jose Ben Chanan) nennt dagegen je vier Tore und andere Namen, darunter das Jekonja-Tor, das Frauen-Tor und das Musik-Tor. Die Beschriftung unseres Modells folgt weitgehend dieser zweiten Tradition.64

Quaderhalle

Abb. 63: Die Quaderhalle – Amtssitz des Großen Sanhedrins.

Die Quaderhalle (hebr. lischkat gasit) war der Amtssitz des Großen Sanhedrins, jenes Gerichtshofs aus 71 Mitgliedern, der die höchste religiöse Autorität Israels darstellte. Etwa 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels – also um 30 n. Chr. – zog der Sanhedrin von hier in die Königliche Säulenhalle um. Nach eigener Überlieferung verlor er mit diesem Umzug das Recht, Todesurteile zu vollstrecken – was das Wort der Juden an Pilatus erklärt: „Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten“ (Johannes 18,31).65

In der Quaderhalle wurden auch die täglichen Priesterdienste verlost. Hier fiel das Los auf Zacharias, das Räucheropfer darzubringen (Lukas 1,9) – der Auftakt der neutestamentlichen Geschichte.66

Wassertor

Abb. 64: Das Wassertor auf der Südseite des innersten Vorhofs.

Durch das Wasser-Tor (hebr. scha’ar ha-majim) brachte der Priester am Laubhüttenfest den goldenen Krug mit dem Wasser aus dem Siloa-Teich zum Altar – die feierliche Wasserschöpf-Prozession (Simchat Beit ha-Scho’eva), begleitet von Jesaja 12,3: „Ihr werdet mit Wonne Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils.“67

Genau in diesem Augenblick – „am letzten, dem großen Tag des Festes“ – rief Jesus laut: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke!“ (Johannes 7,37-38). Der Zwischenruf des Messias traf mitten in den Höhepunkt des Rituals.68

Auf dem Dach dieses Torgebäudes hatte der Hohepriester ein Ritualbad; im Obergeschoss arbeitete die Familie Avtinas, die das Räucherwerk für den goldenen Altar herstellte und ihr Rezept streng geheim hielt.69

Exilhalle

Abb. 65: Die Exil- oder Golah-Halle mit dem Wasserrad.

Die Exil-Halle (hebr. lischkat golah, „Halle der Verbannung“) verdankt ihren Namen den aus Babylonien Heimgekehrten. In ihr befand sich ein Wasserrad, mit dem aus einer darunterliegenden gewaltigen Zisterne Wasser auf den Tempelplatz befördert wurde – unter anderem, um das Blut der Opfertiere über das Abflusssystem ins Kidrontal hinunterzuspülen.70

Tor der Erstgeburt

Abb. 66: Das Tor der Erstgeburten – das mittlere der drei Südtore.

Das Tor der Erstgeburten (hebr. scha’ar ha-bekhorot) ist das mittlere der drei südlichen Torgebäude auf der Tempelterrasse und liegt zwischen dem Holztor (Brennmaterial-Tor) und dem Wassertor.71 In diesem Torgebäude wurden die erstgeborenen Söhne ausgelöst.

Die Erstgeburt gehörte dem HERRN: „Alle Erstgeburt gehört mir“ (4. Mose 3,13; vgl. 2. Mose 13,2). Der erstgeborene Sohn musste mit fünf Schekel losgekauft werden (4. Mose 18,16). Nach dem Brauch wurden die Kinder von ihren Eltern hierher gebracht und von einem Priester auf die Arme genommen.72

Genau hier ist die Darstellung Jesu im Tempel zu verorten: Simeon nahm das Kind auf die Arme und lobte Gott (Lukas 2,27-32). Bemerkenswert: Der Text berichtet keinen Segensspruch des Priesters über das Kind – der Messias stand über dem levitischen Priestertum.73

Das Neue Testament nennt Jesus den „Erstgeborenen aller Schöpfung“ (Kolosser 1,15), den „Erstgeborenen aus den Toten“ (Kolosser 1,18) und den „Erstgeborenen unter vielen Brüdern“ (Römer 8,29). Er selbst ist für uns das Tor zur „Gemeinde der Erstgeborenen“ (Hebräer 12,22-24).

Holzhalle

Abb. 67: Die Holzhalle – die Kammer des Hohenpriesters.

Die Holz-Halle (hebr. lischkat etz) lag im Süden des innersten Vorhofs. Nach rabbinischer Überlieferung war sie die Halle des Hohenpriesters, identisch mit der „Halle der Ratsleute“ (lischkat parhedrin). In sie zog sich der Hohepriester sieben Tage vor dem Jom Kippur zurück, um sich auf den größten Opfertag des Jahres vorzubereiten.74

In diesem Priesterrat von etwa 14 Personen saßen die höchsten Priester des Zweiten Tempels. Zu ihnen gehörte offenbar auch Joseph von Arimathäa, der im Neuen Testament ausdrücklich „Ratsherr“ (griech. bouleutes) genannt wird (Markus 15,43; Lukas 23,50) – der ranghöchste Priester, der zum Glauben an den Messias kam.75

Der Herr Jesus ist unser Hoherpriester – aber einer, der „in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde“ (Hebräer 4,15). Er brauchte keine siebentägige Vorbereitung.

Holztor

Abb. 68: Das Holz- bzw. Brennmaterial-Tor.

Durch das Brennmaterial-Tor (hebr. scha’ar ha-deleq) wurde das Holz für den Altar in das Lager der Schechina hineingetragen. In diesem Torgebäude befand sich vermutlich auch die Kammer, in der die Scheidevorhänge gewebt wurden.76

Wie die Opfertiere auf das Holz gelegt wurden, so wurde Jesus ans Holz gehängt: „Er hat unsere Sünden an seinem Leib selbst an dem Holz getragen“ (1. Petrus 2,24).

Treppe / Terrasse

Abb. 69: Die Tempelterrasse (Chel) mit der umlaufenden Treppe.

Zwischen dem Soreg und den Mauern des innersten Bereichs lag ein umlaufender, terrassenförmiger Streifen: der Chel. Zwölf Stufen führten von hier zu den Toren des Heiligtums hinauf.77

Auf dieser Tempelterrasse ist die Szene mit dem zwölfjährigen Jesus zu verorten: Hier lehrten die Schriftgelehrten öffentlich, und hier saß er „mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie befragte“ (Lukas 2,46).78

Priesterhalle (1)

Abb. 70: Das Haus des Feuerherds – die Wohnung der Priester im Heiligtum.

Das Haus des Feuerherds (hebr. beit ha-moked) war die Wohnung der diensttuenden Priester im Heiligtum; hier lagen ihre Schlafstellen, und hier brannte ein beständiges Feuer, an dem sie sich in den kalten Nächten wärmen konnten.79 In seinen vier Eckkammern befanden sich unter anderem die Kammer der Opferlämmer, die Kammer der Schaubrote und die Hasmonäer-Kammer, in der die von Antiochus Epiphanes entweihten Altarsteine verwahrt wurden.

Auf dieses „Wohnen im Haus des Vaters“ spielt der Herr an, wenn er sagt: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“ (Johannes 14,2).80

Jekonjator (2)

Das Jekonja-Tor (hebr. scha’ar jechonja) wird in Middot II,6 als eines der nördlichen Tore genannt. Der Name erinnert nach rabbinischer Deutung an König Jojachin (Jekonja), der durch dieses Tor in die babylonische Gefangenschaft ging (vgl. 2. Könige 24,15).81

Salzhalle (3)

Die Salz-Kammer war Teil der Parva-Halle im Norden. Dort salzte man die Schlachtopfer und die Tierhäute, die den Priestern zufielen. Auf dem Dach der Parva-Halle lag das Ritualbad, das der Hohepriester am Jom Kippur benutzte.82

Das Salzen der Opfer war ein Thora-Gebot: „Mit Salz sollst du alle deine Opfergaben salzen“ (3. Mose 2,13). Darauf nahm der Herr Jesus Bezug: „Jedes Schlachtopfer wird mit Salz gesalzen werden … Habt Salz in euch selbst und seid in Frieden untereinander“ (Markus 9,49-50).83

Frauen-/Opfertor (4)

Durch das Opfer-Tor (hebr. scha’ar ha-korban) wurden die Opfertiere zum Schlachtplatz geführt – der Name weist auf die Funktion hin. In der Tradition von Middot II,6 erscheint an dieser Stelle zusätzlich ein „Frauen-Tor“.84

Spülhalle (5)

In der Spül-Halle wurden die Eingeweide der Opfertiere gewaschen. Das entspricht der ausdrücklichen Anweisung der Thora für die Brandopfer: „Sein Eingeweide und seine Schenkel soll er mit Wasser waschen“ (3. Mose 1,9).85

Musikertor / Frauentor (6)

Das Musik-Tor (hebr. scha’ar ha-schir) wird ebenfalls nur in Middot II,6 genannt. Unter diesem Tor bzw. in angrenzenden Kammern bewahrten die Leviten ihre Musikinstrumente auf.86

Fußnoten

  1. Liebi, S. 357 f. („Zur Funktion des Frauen-Vorhofes“).
  2. Liebi, S. 358 („Die Frauen am Ost-Eingang“); vgl. Mischna Middot II,5 zur Frauen-Galerie.
  3. Mischna Middot II,5; Liebi, S. 394–411.
  4. Mischna Middot I,3; Liebi, S. 198 f.
  5. Liebi, S. 379–382 („Der Zugang von Osten her“; „Die aufgehende Sonne im Rücken“). Vgl. dazu den Götzendienst in Hesekiel 8,16, wo sich Männer im Tempel gerade nach Osten zur Sonne wandten.
  6. Liebi, S. 383 („Der Heimweg aus dem Osten in den Westen“).
  7. Liebi, S. 384–386 („Die Opferkästen“; „Die Lektion der Witwe“); vgl. Mischna Schekalim VI,5.
  8. Mischna Sukka V,2-3; Liebi, S. 412 f. Die Höhe von 50 Ellen entspricht 26,25 m.
  9. Liebi, S. 414 („Gottesdienst in den Nächten“). Die Mischna sagt, es habe in Jerusalem keinen Hof gegeben, der nicht vom Licht dieser Leuchter erhellt worden wäre (Sukka V,3).
  10. Liebi, S. 412 („Zum Ursprung der Leuchter“).
  11. Liebi, S. 430 f. und S. 439–442 („Jesu Tempelrede in der Schatz-Halle nach Johannes 8,12-20“).
  12. Liebi, S. 486 („Der Weg von der Schönen Pforte zum Vorhof der Männer“).
  13. Mischna Middot II,5 (hebr. lischkat beit schemanjah); Liebi, S. 407.
  14. Mischna Middot II,5; Liebi, S. 402–404.
  15. Liebi, S. 404 („Der Messias ein Nasiräer?“). Jesus trank Wein (Lukas 7,34) und war daher kein Nasiräer im wörtlichen Sinn; die Bezeichnung „Nazarener“ (Matthäus 2,23) ist von Nazareth abzuleiten, nicht von Nasiräer.
  16. Liebi, S. 404–407 („Paulus der Nasiräer“; „Paulus und die vier Nasiräer“).
  17. Mischna Middot II,5; Tamid II,3; Liebi, S. 394 f.
  18. Mischna Schekalim VI,1-2; BT Joma 54a. Vgl. Liebi, S. 401 („Die Bundeslade unter dem Holz-Hof“). Es handelt sich um eine Überlieferung, nicht um einen archäologischen Befund.
  19. Mischna Middot II,5; Negaim XIV; Liebi, S. 408.
  20. Liebi, S. 408 f. („Zur geistlichen Bedeutung des Aussatzes“).
  21. Liebi, S. 409–411 („Aussatzheilungen in den Evangelien“).
  22. Mischna Middot II,5; Liebi, S. 359 f.
  23. Liebi, S. 360 f. („Die 15 Stufenlieder“; „Die Doppeldeutigkeit des Begriffs ma’aloth“ – das Wort bedeutet zugleich „Stufen“ und „Hinaufzüge“).
  24. Mischna Middot II,6; Arachin II; Liebi, S. 361–378 (ausführlich zu den einzelnen Instrumenten).
  25. Liebi, S. 224–281 (Psalm 24 am Sonntag, Psalm 48 am Montag, Psalm 82 am Dienstag, Psalm 94 am Mittwoch, Psalm 81 am Donnerstag, Psalm 93 am Freitag, Psalm 92 am Sabbat); vgl. Mischna Tamid VII,4.
  26. Josephus: Der Jüdische Krieg V,5,3; Mischna Middot II,3; Liebi, S. 382 („Die überragende Pracht des Nikanor-Tores“).
  27. Mischna Middot II,6; Liebi, S. 382 f. („Die kleinen Ausgänge rechts und links vom Nikanor-Tor“).
  28. Mischna Middot II,6; Liebi, S. 486 f. („Die Ausdehnung des Israel-Vorhofes“).
  29. Liebi, S. 487–490 („Der Pharisäer und der Zöllner im Tempel“).
  30. Mischna Middot II,6; Liebi, S. 469, Anm. 68.
  31. Mischna Middot III,5; Liebi, S. 514 f.
  32. Mischna Middot III,5; Tamid 31b; Liebi, S. 515. Vgl. die Parallele im Hesekiel-Tempel: Hesekiel 40,39-43.
  33. Liebi, S. 515 („Die Haken und die Tische“).
  34. Liebi, S. 514 f. („Die Weihung der Schlachtopfer“).
  35. Mischna Middot III,1; Liebi, S. 490–494. Josephus nennt abweichende Maße (50 × 50 Ellen, Höhe 15 Ellen; Der Jüdische Krieg V,5,6); diese sind mit den topographischen Gegebenheiten des Tempelplatzes nicht vereinbar und daher unbrauchbar (Liebi, S. 491, Anm. 168).
  36. Mischna Middot III,1; Liebi, S. 492–495.
  37. Mischna Middot III,2; Liebi, S. 492.
  38. Liebi, S. 493 („Das ewige Feuer“).
  39. Liebi, S. 491 f. („Zur Quadratförmigkeit des Altars“).
  40. Mischna Middot III,6; Liebi, S. 536 f.
  41. BT Joma 25b; 37a; Liebi, S. 537.
  42. Liebi, S. 537–539 („Die tägliche Reinigung der Priester“).
  43. Liebi, S. 536, Anm. 353.
  44. Mischna Middot IV,3-7; Liebi, S. 546.
  45. Liebi, S. 604.
  46. Liebi, S. 546, Anm. 1.
  47. Mischna Middot III,7; Liebi, S. 547.
  48. Mischna Middot III,7; Liebi, S. 547.
  49. Mischna Menachot XI,7; Liebi, S. 548.
  50. Mischna Middot III,7; Liebi, S. 548.
  51. Mischna Middot III,8; Josephus: Jüdische Altertümer XV,11,3; Liebi, S. 549 f.
  52. Liebi, S. 554–557 („Die geistliche Bedeutung des goldenen Weinstocks“).
  53. Liebi, S. 557–561 („Die messianische Krone in der Vorhalle“).
  54. Mischna Middot IV,6-7; Josephus: Der Jüdische Krieg V,5,6; Liebi, S. 547–549.
  55. Mischna Middot IV,7; Liebi, S. 565 („Das Tempelhaus als Gotteslöwe“).
  56. Mischna Middot IV,7; Liebi, S. 573 f.
  57. Liebi, S. 574–583 („Die paulinische Deutung vor König Agrippa“).
  58. BT Joma 26a; Liebi, S. 485 f. und S. 586–591.
  59. Mischna Middot IV,7; Liebi, S. 604.
  60. Josephus: Jüdische Altertümer XIV,4,4; Liebi, S. 86.
  61. Liebi, S. 604 f.; Ritmeyer: The Quest, Kap. 9. Ritmeyer identifiziert im Fels zudem eine rechteckige Vertiefung, die er als Stellplatz der Bundeslade deutet.
  62. Liebi, S. 604–606.
  63. Liebi, S. 630 ff. („Der Scheidevorhang“).
  64. Liebi, S. 456–458 („Eli’ezer Ben Ja’akov kontra Jose Ben Chanan“). Liebi hält die Überlieferung in Middot I für die zuverlässigere und erklärt die abweichende Zählung damit, dass Jose Ben Chanan auf die Zahl 13 kommen wollte – analog zu den 13 Breschen, die Antiochus Epiphanes in den Soreg geschlagen hatte. Da ein Torgebäude mehreren Zwecken dienen konnte, ist es gut möglich, dass ein und dasselbe Tor mehrere Namen trug.
  65. Mischna Middot V,4; BT Schabbat 15a; Sanhedrin 41a; Awoda Sara 8b; Liebi, S. 461 und S. 478 f.
  66. BT Joma 25a; Liebi, S. 480–486.
  67. BT Sukka 48a; Mischna Middot I,4; Liebi, S. 423–428.
  68. Liebi, S. 426–429 („Der feierliche Zwischenruf des Messias im Tempel“).
  69. BT Joma 31a; 38a; Liebi, S. 455.
  70. Mischna Middot V,4; Eruvin 104b; Liebi, S. 461. In Ritmeyers Rekonstruktion fällt der Zugang zu Warrens Zisterne Nr. 5 exakt in die Mitte der Golah-Halle.
  71. Mischna Middot I,4; Liebi, S. 454 f. und S. 475.
  72. Liebi, S. 475–478.
  73. Liebi, S. 476–478 („Der Messias in den Armen des Priesters“; „Kein Segenspruch für das Kind“).
  74. Mischna Middot V,4; BT Joma 2a; Liebi, S. 459 f. Der Name erklärt sich wohl daraus, dass das Gebäude unmittelbar an das Brennmaterial-Tor angebaut war.
  75. Liebi, S. 460 f. („Joseph von Arimathäa“).
  76. Mischna Middot I,1.4; Liebi, S. 454 f. Nach Schekalim VIII,5 wurden jährlich zwei neue Vorhänge für das Allerheiligste hergestellt.
  77. Mischna Middot II,3; Liebi, S. 468.
  78. Liebi, S. 468–470 („Fragenbeantwortung auf dem Chel“). Mit zwölf Jahren stand Jesus unmittelbar vor der Volljährigkeit (mit 13 wurde ein Junge zum Bar Mizwa); Eltern nahmen ihre Kinder oft ein bis zwei Jahre vorher zu den Festen mit.
  79. Mischna Middot I,6-8; Liebi, S. 465 und S. 471–474.
  80. Liebi, S. 474 („Die Wohnungen im Haus des Vaters“).
  81. Mischna Middot II,6; Liebi, S. 456 und S. 460, Anm. 22. In der zuverlässigeren Überlieferung von Middot I,5 heißt das entsprechende Tor „Funken-Tor“ (scha’ar ha-nitzotz).
  82. Mischna Middot V,3; BT Joma 19a; 31a; 35a; Liebi, S. 463 f.
  83. Liebi, S. 464 f. („Zur geistlichen Bedeutung des Salzes“).
  84. Mischna Middot I,5 und II,6; Liebi, S. 455 f.
  85. Mischna Middot V,3; Liebi, S. 464 f.
  86. Mischna Middot II,6; Liebi, S. 456.