Tempel-Modell
Im Modell sind zahlreiche biblische Szenen nachgebaut. Sie warten darauf, entdeckt zu werden – die folgende Übersicht nennt sie in der Reihenfolge der biblischen Geschichte und gibt jeweils den Ort im Modell an. Szenen in Klammern sind (noch) nicht als Figurengruppe ausgeführt.
Die Vertreibung des Sündenbocks

Abb. 71: Der Sündenbock wird durch das Ost-Tor in die Wüste getrieben.
Ort: Ost-Tor / Tor Miphkad. — Am Großen Versöhnungstag legte der Hohepriester die Sünden des Volkes auf den Kopf des Bockes und ließ ihn durch das Ost-Tor in die Wüste hinaustreiben (3. Mose 16,21-22). Der Bock trug die Schuld „hinweg in ein ödes Land“. Hebräer 13,11-13 deutet dies auf Jesus, der „außerhalb des Tores“ litt.1
(Zacharias’ Vision)
Ort: goldener Räucheraltar im Heiligen. — Dem Priester Zacharias erschien beim Räucherdienst der Engel Gabriel „zur Rechten des Räucheraltars“ und kündigte ihm die Geburt Johannes’ des Täufers an (Lukas 1,8-20). Draußen wartete das betende Volk – und wunderte sich, dass er so lange blieb.2
Darstellung Jesu im Tempel
Ort: Tor der Erstgeburten. — Maria und Josef brachten das Kind, um es als Erstgeborenen darzustellen; sie opferten das Opfer der Armen, ein Paar Turteltauben (Lukas 2,22-24; vgl. 3. Mose 12,8). Simeon nahm es auf die Arme, und die Prophetin Hanna trat hinzu (Lukas 2,25-38).3
Jesus als Zwölfjähriger bei den Schriftgelehrten

Abb. 72: Der zwölfjährige Jesus auf der Tempelterrasse inmitten der Lehrer.
Ort: Tempelterrasse (Chel). — „Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, wie er inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie befragte“ (Lukas 2,46). Seine Antwort: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lukas 2,49).4
(Jesu Versuchung auf der Zinne des Tempels)

Abb. 73: Die „Zinne des Tempels“ – die Südost-Ecke über dem Kidrontal.
Ort: Zinne des Tempels. — Der Versucher stellte Jesus „auf die Zinne des Tempels“ und forderte ihn auf, sich hinabzustürzen (Matthäus 4,5-7). Gemeint ist wohl die Südost-Ecke, wo der Blick schwindelerregend in das Kidrontal fällt – Josephus berichtet, dass einem beim Hinabsehen schwindlig wurde.5
Jesus heilt zehn Aussätzige – neun zeigen sich den Priestern
Ort: Lepra-Hof (Nordwest-Ecke des Frauen-Vorhofs). — „Geht hin und zeigt euch den Priestern“ (Lukas 17,14): Dorthin mussten die Geheilten, um die vorgeschriebenen Reinigungsrituale zu vollziehen. Nur einer kehrte um, um Gott zu danken – ein Samariter.6
Jesus beobachtet die Menschen beim Spenden

Abb. 74: Die Opferkästen im Frauen-Vorhof – die Szene mit der armen Witwe.
Ort: Schatzkammer / Opferkästen im Frauen-Vorhof. — Jesus setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte. Eine arme Witwe warf zwei Scherflein ein – und er sagte, sie habe mehr eingelegt als alle anderen, denn sie gab „alles, was sie hatte“ (Markus 12,41-44).7
Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“
Ort: Schatzkammer im Frauen-Vorhof, im Angesicht der vier großen Leuchter. — „Jesus redete nun wiederum zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12). Johannes vermerkt ausdrücklich, dass er „in der Schatzkammer“ lehrte (Johannes 8,20) – also genau dort, wo beim Laubhüttenfest die vier Leuchter brannten, die die Schechina ersetzen sollten.8
(Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner)

Abb. 75: Der Israel-Vorhof: Ort des Pharisäers im Gleichnis.
Ort: Israel-Vorhof (Pharisäer) bzw. äußerer Bereich (Zöllner). — „Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten“ (Lukas 18,10). Der Pharisäer stellte sich an erhabener Stelle hin; der Zöllner stand „von ferne“ und schlug an seine Brust. „Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus“ (Lukas 18,14).9
Jesus und die Ehebrecherin

Abb. 76: Die Szene mit der Ehebrecherin im Tempel.
Ort: Tempelbezirk, am Morgen nach dem Laubhüttenfest. — „Früh am Morgen kam er wiederum in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm“ (Johannes 8,2). Die Schriftgelehrten brachten eine beim Ehebruch ergriffene Frau; Jesus schrieb auf die Erde und sprach: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe zuerst den Stein auf sie“ (Johannes 8,7).10
Jesus lehrt in der Säulenhalle Salomos

Abb. 77: Die Säulenhalle Salomos – Ort der Lehre Jesu und der ersten Gemeinde.
Ort: Säulenhalle Salomos (Osthalle). — „Es war das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; es war Winter, und Jesus wandelte im Tempel, in der Säulenhalle Salomos“ (Johannes 10,22-23). Dort sagte er: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30) – woraufhin man Steine aufhob.11
Palmsonntag

Abb. 78: Der Einzug in Jerusalem – die Prozession am Ölberg/Kidrontal.
Ort: Osten des Tempelbergs, zwischen Stadtmauer und Ostmauer. — Der Einzug des Königs (Matthäus 21,1-11). Nach Liebi sang man im Tempel an diesem Tag den Wochenpsalm 24: „Erhebt, ihr Tore, eure Häupter … damit einziehe der König der Herrlichkeit!“ – während der König tatsächlich einzog.12
Geldwechsler und Händler

Abb. 79: Der Tempelmarkt im Vorhof der Heiden.

Abb. 80: Die Tische der Geldwechsler.
Ort: Vorhof der Heiden bzw. Königliche Säulenhalle. — „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht“ (Markus 11,17). Das Geld musste in tyrische Schekel gewechselt werden, um die Tempelsteuer von einer halben Doppeldrachme zu entrichten (2. Mose 30,13; Matthäus 17,24-27).13
Verurteilung vor dem Hohen Rat

Abb. 81: Die Sitzung des Hohen Rates.

Abb. 82: Der Angeklagte vor dem Synedrium.
Ort: Quaderhalle bzw. Königliche Säulenhalle. — Der Prozess Jesu verlief in sechs Phasen (drei jüdische, drei römische). Auf die Frage des Hohenpriesters, ob er der Christus sei, antwortete Jesus: „Ich bin es“ (Markus 14,62). Man verurteilte ihn wegen Gotteslästerung – vollstrecken konnte man das Urteil jedoch nicht mehr selbst (Johannes 18,31).14
Vorhang reißt entzwei
Ort: Eingang zum Allerheiligsten. — „Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke, von oben bis unten“ (Matthäus 27,51). Der Riss erfolgte von oben nach unten – von Gott her. Der Weg ins Heiligtum ist seither offen (Hebräer 10,19-20).15
Judas wirft das Geld ins Heiligtum

Abb. 83: Judas schleudert die Silberlinge in den Tempel.
Ort: Tempelhaus (naos). — „Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon“ (Matthäus 27,5). Bemerkenswert: Matthäus verwendet hier naos – das eigentliche Tempelhaus, das nur Priester betreten durften. Judas schleuderte das Geld also von außen in den Priesterbereich hinein.16
Die erste Gemeinde versammelt sich in der Säulenhalle Salomos
Ort: Säulenhalle Salomos. — „Und sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos“ (Apostelgeschichte 5,12). Die junge Gemeinde blieb zunächst im Tempel: Sie war keine Sekte, sondern die messianische Erfüllung Israels.17
Petrus und Johannes heilen den Gelähmten

Abb. 84: Der Gelähmte an der Schönen Pforte.

Abb. 85: Der Geheilte springt und lobt Gott.
Ort: Schöne Pforte (Doppeltor). — „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazaräers, steh auf und geh umher!“ (Apostelgeschichte 3,6). Der Geheilte ging mit ihnen in den Tempel, „wandelnd und springend und Gott lobend“ – auf jenen Stufen, die eigentlich zum langsamen, würdigen Schreiten zwingen sollten.18
Paulus spricht von der Treppe zum Volk

Abb. 86: Paulus auf der Treppe zur Burg Antonia.
Ort: Treppe zur Burg Antonia. — Nach dem Tumult im Tempel gab der römische Kommandant Paulus die Erlaubnis, zum Volk zu reden. „Er winkte dem Volk mit der Hand“ und hielt auf den Stufen seine Verteidigungsrede (Apostelgeschichte 21,40 – 22,21). Als er das Wort „Nationen“ aussprach, brach der Tumult erneut los.19

Abb. 87: Gesamtansicht des Modells.
Fußnoten
- Liebi, S. 205–208; Mischna Joma VI,4-6. ↩
- Liebi, S. 480–486 und S. 586–590. ↩
- Liebi, S. 390–393 („Das Reinigungsopfer der Maria“; „Die Prophetin Hanna im Tempel“) und S. 475–478. ↩
- Liebi, S. 468–470. ↩
- Liebi, S. 214–217; Josephus: Der Jüdische Krieg V,5,2. Nach Hegesipp wurde an dieser Stelle später Jakobus, der Bruder des Herrn, hinabgestürzt. ↩
- Liebi, S. 408–411; 3. Mose 14,1-32. ↩
- Liebi, S. 384–386. Im Frauen-Vorhof standen dreizehn schopharförmige Opferkästen (Mischna Schekalim VI,5). ↩
- Liebi, S. 430 f. und S. 439–442. ↩
- Liebi, S. 487–490. ↩
- Liebi, S. 434–438. Zur Textüberlieferung dieser Perikope (Johannes 7,53 – 8,11) vgl. Liebi, S. 437 f. ↩
- Liebi, S. 189–193. ↩
- Liebi, S. 224–228 („Gesang im Tempel: Psalm 24“). ↩
- Liebi, S. 218–224 und S. 228–234. Jesus reinigte den Tempel zweimal: zu Beginn seines Dienstes (Johannes 2,13-17) und in der Passionswoche (Matthäus 21,12-13). ↩
- Liebi, S. 290–294 („Die sechs Prozess-Phasen“). ↩
- Liebi, S. 630 ff. ↩
- Liebi, S. 387–389 („Judas und seine 30 Silberschekel“). Die 30 Silberschekel sind der Preis eines Sklaven (2. Mose 21,32) und erfüllen Sacharja 11,12-13. ↩
- Liebi, S. 195–197 („Versammlungen der Urgemeinde im Tempel“). ↩
- Liebi, S. 142–144. ↩
- Liebi, S. 180–186 („Die Tempelrede des Paulus auf der Treppe zur Burg Antonia“). ↩
