Die sieben Feste des Herrn – und ihre Erfüllung in Christus

Feste des Herrn

3Mo 23

1 Und der HERR redete zu Mose und sprach: 2 Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen: Das sind die Feste des HERRN, zu denen ihr heilige Festversammlungen einberufen sollt; dies sind meine Feste: 3 Sechs Tage lang soll man arbeiten, aber am siebten Tag ist ein Sabbat der Ruhe, eine heilige Versammlung; da sollt ihr kein Werk tun; denn es ist der Sabbat des HERRN, in allen euren Wohnorten.

  • Das erste Fest in der Aufzählung dieses Kapitels ist eigentlich der Sabbat – ein wöchentlicher Ruhetag gemäß dem vierten Gebot.
  • Danach werden die sieben jährlichen Feste befohlen, die ebenso wie der Sabbat arbeitsfreie Tage der „heiligen Versammlungen“ darstellen sollten.

1. Passah: Rettung durch das Blut des Lammes

Bibeltext AT: 3Mo 23,4-5

Das sind aber die Feste des HERRN, die heiligen Versammlungen, die ihr zu festgesetzten Zeiten einberufen sollt: 5 Im ersten Monat, am vierzehnten [Tag] des Monats, zur Abendzeit, ist das Passah des HERRN.

2Mo 12,1-14+21-28 (LÜ17):

1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen 6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. 9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. 10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. 11 So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa. 12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR. 13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. 14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

[…] 21 Und Mose rief alle Ältesten Israels und sprach zu ihnen: Lest Schafe aus und nehmt sie für euch nach euren Geschlechtern und schlachtet das Passa. 22 Und nehmt ein Büschel Ysop und taucht es in das Blut in dem Becken und bestreicht damit den Türsturz und die beiden Pfosten. Und keiner von euch gehe zu seiner Haustür heraus bis zum Morgen. 23 Denn der HERR wird umhergehen und die Ägypter schlagen. Wenn er aber das Blut sehen wird am Türsturz und an den beiden Pfosten, wird er an der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu schlagen. 24 Darum so halte diese Ordnung für dich und deine Nachkommen ewiglich. 25 Und wenn ihr in das Land kommt, das euch der HERR geben wird, wie er gesagt hat, so haltet fest an diesem Brauch. 26 Und wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was habt ihr da für einen Brauch?, 27 sollt ihr sagen: Es ist das Passaopfer des HERRN, der an den Israeliten vorüberging in Ägypten, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser errettete. Da neigte sich das Volk und betete an. 28 Und die Israeliten gingen hin und taten, wie der HERR es Mose und Aaron geboten hatte.

Anmerkungen

  • Passah (Pessach) bedeutet „vorüberschreiten“.
  • Dieses Fest erinnert daran, wie Gott bei der zehnten Plage Ägyptens gnädig an den Häusern derer „vorüberschritt“, die das Blut eines Lammes an ihre Türpfosten gestrichen haben. In den anderen Häusern dagegen mussten alle Erstgeborenen sterben.
  • 5Mo 16,6b: „dort sollst du das Passah schlachten, am Abend, wenn die Sonne untergeht, zu eben der Zeit, als du aus Ägypten zogst.“

NT-Erfüllung

Jesus ist unser Passahlamm (1Kor 5,7): „Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, da ihr ja ungesäuert seid! Denn unser Passahlamm ist ja für uns geschlachtet worden: Christus.“

Er ist „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29)

Wie das makellose Passahlamm war auch Jesus ohne Sünde (Lk 23,4.14.22; Joh 8,46; 18,38; 19,4.6; 2Kor 5,21; Hebr 4,15; 7,26)

So wie das Blut des Passahlammes den Israeliten das Leben rettete und die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens einleitete, befreit das Blut Jesu uns (die wir darauf vertrauen) von dem Zorn Gottes und leitet unsere Befreiung von der Sklaverei der Sünde ein.

Weitere Erwähnungen

4Mo 9; 28,16-25; 5Mo 16,1-8; 2Chr 35,1-19; Esra 6,19; Hes 45,21; Mt 26; Mk 14; Lk 22; Joh 6,4

2. Tage der ungesäuerten Brote: Reinigung vom alten Sauerteig

Bibeltext AT: 3Mo 23,6-8

6 Und am fünfzehnten Tag desselben Monats ist das Fest der ungesäuerten Brote für den HERRN. Da sollt ihr sieben Tage lang ungesäuertes Brot essen. 7 Am ersten Tag sollt ihr eine heilige Versammlung halten; da sollt ihr keine Werktagsarbeit verrichten, 8 und ihr sollt dem HERRN sieben Tage lang ein Feueropfer darbringen. Am siebten Tag ist eine heilige Versammlung, da sollt ihr keine Werktagsarbeit verrichten.

2Mo 12,15-20 (LÜ17):

15 Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen. Schon am ersten Tag sollt ihr den Sauerteig aus euren Häusern tun. Wer gesäuertes Brot isst, vom ersten Tag an bis zum siebenten, der soll ausgerottet werden aus Israel. 16 Am ersten Tag soll heilige Versammlung sein und am siebenten soll auch heilige Versammlung sein. Keine Arbeit sollt ihr dann tun; nur was jeder zur Speise braucht, das allein dürft ihr euch zubereiten. 17 Haltet das Gebot der ungesäuerten Brote. Denn eben an diesem Tage habe ich eure Scharen aus Ägyptenland geführt; darum sollt ihr diesen Tag halten, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

18 Am vierzehnten Tage des ersten Monats am Abend sollt ihr ungesäuertes Brot essen bis zum Abend des einundzwanzigsten Tages des Monats, 19 sodass man sieben Tage lang keinen Sauerteig finde in euren Häusern. Denn wer gesäuertes Brot isst, der soll ausgerottet werden aus der Gemeinde Israel, sei es ein Fremdling oder ein Einheimischer im Lande. 20 Keinerlei gesäuertes Brot sollt ihr essen, sondern nur ungesäuertes Brot, wo immer ihr wohnt.

Anmerkungen

  • Dieses Fest steht in unmittelbarer Beziehung zum Passah. Das in aller Eile gebackene ungesäuerte Brot erinnert an die Eile, mit welcher Gott die Israeliten einst aus Ägypten, dem Land ihrer Knechtschaft, herausführte.
  • Laut 3Mo 23,6 beginnt das „Fest der ungesäuerten Brote“ am 15. Nisan (bzw. Abib, siehe 2Mo 34,18), d.i. der Samstag nach Karfreitag, und dauert sieben Tage.
  • Laut 2Mo 12,18 beginnt es bereits am 14. Nisan (also schon am Passahfest) und dauert bis zum 21. Nisan – das sind insgesamt 8 Tage (Passah + 7 weitere Tage).
  • Laut beiden Texten (3Mo 23,8 und 2Mo 12,16) ist jeweils der erste und der siebte Tag heilig (keine Arbeit, heilige Versammlung).
  • Im NT lesen wir, dass die Juden dieses Fest bereits am Vortag des eigentlichen Passah begingen (d.h. Donnerstag vor dem Karfreitag):
    vgl. Mt 26,17; Mk 14,12; Lk 22,1+7. Zu beachten ist jedoch, dass nach jüdischer Rechnung der Freitag schon an unserem Donnerstagabend beginnt.
  • Lukas erklärt, dass dieses Fest zur NT-Zeit mit dem Passahfest verschmolzen war (und der Einteilung der Feste gemäß 2Mo 23 entspricht). Laut Lk 22,1 wurde das Fest der ungesäuerten Brote auch „Passah“ genannt. Lk 22,7 sagt: „Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an dem man das Passah schlachten musste.“
    • D.h., dass die Juden das Passahfest zu diesem Fest mitrechneten (gemäß 2Mo 23).
    • Nach unserer Rechnung begann das Fest der Ungesäuerten Brote also bereits am Donnerstag (bei den Juden beginnt der Tag schon am Abend, d.h., sie aßen das Passahlamm am Donnerstagabend, was nach ihrer Zählweise bereits Freitag war).
    • Obwohl das Fest der Ungesäuerten Brote in der Reihenfolge von 3Mo 23 das zweite Fest des Herrn ist, wurde es durch diese Ausweitung auf das Passahfest in der Praxis offensichtlich vorgezogen und laut 2Mo 23 ist es dem Passahfest sogar übergeordnet.
  • An den Tagen dieses Festes durfte in den Häusern Israels kein Sauerteig zu finden sein (vgl. 5Mo 16,4). Es gehört zur jüdischen Tradition, dass der Familienvater in der Nacht vor Passah das Haus nach verbliebenem Sauerteig durchsucht. Traditionell fegt er bei Kerzenlicht mit einer Gänsefeder alle übriggebliebenen Brotkrumen auf einen Holzlöffel. Wenn dies erledigt ist, werden die Brotkrumen, die Feder und der Löffel in eine Tüte gesteckt und bis zum nächsten Morgen verbrannt.1
  • Der Sauerteig stellt in der Bibel ein Symbol für die Sünde dar. Die Befreiung des Hauses vom Sauerteig ist damit ein Symbol der Reinigung von jeglicher Sünde und Heuchelei.

NT-Erfüllung

  • Das Erste, was Jesus zum Beginn der „Tage der Ungesäuerten Brote“ (noch während der Passahfeier bzw. nach einem Teil derselben) tat, war die Fußwaschung (Joh 13,2-5): „Und während des Mahls […] stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab, nahm einen Schurz und umgürtete sich; darauf goss er Wasser in das Becken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Schurz zu trocknen, mit dem er umgürtet war.“ Mit dieser Handlung macht Jesus seinen Jüngern u.a. klar, wie sehr sie der täglichen Reinigung durch ihn bedürfen (Joh 13,8b-10a): „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. […] Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; er ist vielmehr ganz rein.“
  • Während das Passahfest uns an das ein für allemal vollbrachte stellvertretende Opfer unseres Herrn erinnert, stellt uns das Fest der Ungesäuerten Brote die Notwendigkeit der täglichen Reinigung vor Augen.
  • Diese Reinigung hat zwei Aspekte:
    • 1. Reinigung durch tägliche Vergebung (1Joh 1,9-2,1)
    • 2. Reinigung durch das Entfernen der Sünde aus unserem Leben:
      1Kor 5,6: „Es ist nicht gut, wessen ihr euch rühmt. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? 7 Darum schafft den alten Sauerteig weg, auf dass ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn auch unser Passalamm ist geopfert, das ist Christus. 8 Darum lasst uns das Fest feiern nicht mit dem alten Sauerteig, auch nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit dem ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit.“
      2Kor 7,1: „Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht!“

Weitere Erwähnungen

5Mo 16,4+8; 2Chr 30; Apg 12,3; 20,6

3. Erstlingsgabe der Gerste: Beginn der Ernte-Saison

Bibeltext AT: 3Mo 23,9-14

Und der HERR redete zu Mose und sprach: 10 Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und seine Ernte einbringt, so sollt ihr die Erstlingsgarbe von eurer Ernte zum Priester bringen. 11 Der soll die Garbe weben vor dem HERRN, zum Wohlgefallen für euch; am Tag nach dem Sabbat soll sie der Priester weben. 12 Ihr sollt aber an dem Tag, an dem ihr eure Garbe webt, dem HERRN ein Brandopfer opfern von einem makellosen einjährigen Lamm, 13 und das dazugehörige Speisopfer, zwei Zehntel Feinmehl, mit Öl angerührt, ein Feueropfer, dem HERRN zum lieblichen Geruch, sowie das dazugehörige Trankopfer, ein Viertel Hin Wein. 14 Ihr sollt aber weder Brot noch geröstetes Korn noch Jungkorn essen bis zu ebendiesem Tag, da ihr eurem Gott diese Gabe darbringt. Das ist eine ewig gültige Ordnung für eure [künftigen] Geschlechter in allen euren Wohnorten.

Anmerkungen

  • Die Passahzeit liegt am Beginn der Gerstenernte (vgl. 2Mo 9,31-32).
  • An diesem Fest wird eine Erstlingsgabe der Gerste dargebracht (Weizen erst zu Pfingsten).
  • Nach jüdischer Tradition wird diese Garbe…
    … am Passahtag markiert und gebündelt,
    … am Tag danach (Samstag) geschnitten und für die Opfergabe vorbereitet,
    … am dritten Tag (Sonntag) vom Priester Gott dargebracht
  • Von diesem Tag an werden 50 Tage bis zum nächsten Fest (Pfingsten) gezählt.

NT-Erfüllung

1Kor 15,20-24: Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden. 21 Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; 22 denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat.

Die Auferstehung Jesu geschah genau an diesem Festtag (Lk 24,44-47). So wie die erste Garbe der Gerste den Beginn der Ernte-Saison „voraussagte“ (diese begann eigentlich zu Pfingsten, vgl. 2Mo 23,16), ist Jesus Christus der Erstling der Auferstehung geworden: Seine Auferstehung zeigt an, dass auch alle, die zu ihm gehören, bei seiner Wiederkunft auferstehen werden (1Kor 15,23).

Weitere Erwähnungen

Ereignisse an diesem Tag:

  • Manna hört auf (Jos 5,10-12)
  • Esther riskiert ihr Leben (Est 3,12-5,7)

4. Wochenfest/Pfingsten: Darbringung zweier Erstlingsbrote der Weizenernte

Bibeltext AT: 3Mo 23,15-21

Danach sollt ihr euch vom Tag nach dem Sabbat, von dem Tag, da ihr die Webegarbe darbringt, sieben volle Wochen abzählen, 16 bis zu dem Tag, der auf den siebten Sabbat folgt, nämlich 50 Tage sollt ihr zählen, und dann dem HERRN ein neues Speisopfer darbringen. 17 Ihr sollt nämlich aus euren Wohnungen zwei Webebrote bringen, von zwei Zehntel [Epha] Feinmehl [zubereitet]; die sollen gesäuert gebacken werden als Erstlinge für den HERRN.
18 Zu dem Brot aber sollt ihr sieben einjährige, makellose Lämmer darbringen und einen Jungstier und zwei Widder; das soll das Brandopfer für den HERRN sein; und das dazugehörige Speisopfer und Trankopfer — ein Feueropfer, dem HERRN zum lieblichen Geruch. 19 Ihr sollt auch einen Ziegenbock zum Sündopfer und zwei einjährige Lämmer zum Friedensopfer opfern; 20 und der Priester soll sie samt den Erstlingsbroten weben, zusammen mit den beiden Lämmern, als Webopfer vor dem HERRN. Die sollen dem HERRN heilig sein und dem Priester gehören.
21 Und ihr sollt an ebendiesem Tag ausrufen lassen: »Eine heilige Versammlung soll es euch sein, und keine Werktagsarbeit sollt ihr verrichten!« Das ist eine ewig gültige Ordnung in allen euren Wohnorten für eure [künftigen] Geschlechter.

Anmerkungen

  • Wochenfest = eine Wochenwoche (7 Wochen) nach dem Fest der (Gersten-)Erstlinge
  • Das deutsche Wort „Pfingsten„ kommt vom griechischen pentikosti = „fünfzigster„ (Tag nach Ostern).
  • Laut 2Mo 23,16 ist dies das „Fest der Ernte“. Es kennzeichnet den Beginn der eigentlichen Erntesaison (des Weizens und verschiedener Obst-Sorten). Es ist ein Fest der Freude und Dankbarkeit für den Segen der Ernte.
  • Das markante Opfer dieses Erntebeginn-Festes besteht aus zwei gesäuerten Broten (die von der neuen Weizenernte gebacken werden). Dieses besondere Opfer von der „Frucht der Erde“ wird durch Tieropfer (Frucht der Herde) ergänzt (18: „zu dem Brot“; 19: „samt den Broten“):
    • Brandopfer: sieben einjährige Lämmer, ein Jungstier und zwei Widder
      (zuzüglich „dazugehörige Speisopfer und Trankopfer“).
    • Sündopfer: Ziegenbock.
    • Friedensopfer: zwei einjährige Lämmer
  • Im Judentum wird an diesem Tag zusätzlich an den Empfang des Gesetzes gedacht, denn es heißt, dass Gott an diesem Tag seinem Volk das Gesetz gab.
  • Zur Feier des Tages wird oft aus dem Buch Ruth gelesen. Ruth beginnt ihre Arbeit auf dem Feld zur Zeit der Gerstenernte (Rut 2,17) und bleibt bei den Mägden des Boas, bis auch die Weizenernte vollendet ist (Rut 2,23).
  • Nach dem Fest kommen die Monate der Sommerhitze (siehe Kalender)

NT-Erfüllung

Die zwei Erstlingsbrote: Der Heilige Geist und die Gemeinde

  • Im NT ist Pfingsten der Geburtstag der Gemeinde Jesu (Apg 2).
  • Die zwei Erstlingsbrote des AT entsprechen damit den zwei Erstlingen im NT:
  • Die Erstlingsgabe des Heiligen Geistes (vgl. Röm 8,23)
  • Die ersten Gläubigen der NT-Gemeinde (Apg 2,41; vgl. Jak 1,18)

Die Symbolik der Tieropfer

  • Zusätzlich zu den zwei Broten am Pfingstfest wurden ein Brandopfer, ein Sündopfer und ein Friedensopfer dargebracht. Es ist möglich, folgende Botschaften damit zu verbinden:
    • Brandopfer: Ganze Hingabe (7 Lämmer; ings. 3 Tierarten)
    • Sündopfer: Einziges Sühnemittel (ein einziger Ziegenbock)
    • Friedensopfer: Zwei Parteien werden versöhnt (vgl. 2,14)

Die Gabe des Gesetzes – und die Gabe des Heiligen Geistes

  • Bei der Beschreibung des Festes in der Bibel gibt es keinen Hinweis dafür, dass dieses Fest zum Gedenken an den Empfang des Gesetzes gefeiert werden sollte. Nach jüdischer Überlieferung (die mit 2Mo 19,1ff im Einklang steht) fällt der Pfingsttag jedoch auf diesen Zeitpunkt. Daher ist diese Verbindung naheliegend.
  • Im NT ist Pfingsten der Zeitpunkt des Empfangs des Heiligen Geistes.
  • Der Heilige Geist löst für den Gläubigen, der sich durch ihn leiten lässt, das Gesetz ab (vgl. 1Tim 1,8-11; Mt 5,17-20):
    • Gal 5,18+22-25: „Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz. […] Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. 23 Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz. 24 Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. 25 Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.„
    • Jer 31,33: „Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein…“

Weitere Erwähnungen

2Mo 34,22; 5Mo 16,9-10; 2Chr 8,13; Apg 2,1-41; 20,16; 1Kor 16,8

5. Tag des Hornblasens: Versammlung des Volkes am Ende der Ernte-Saison

Bibeltext AT: 3Mo 23,23-25

Und der HERR redete zu Mose und sprach: 24 Rede zu den Kindern Israels und sprich: Im siebten Monat, am ersten des Monats, soll ein Ruhetag für euch sein, ein Gedenken unter Hörnerschall, eine heilige Versammlung. 25 Ihr sollt keine Werktagsarbeit verrichten, sondern dem HERRN ein Feueropfer darbringen.

Anmerkungen:

  • Es ist ein arbeitsfreier Ruhetag, an dem man „unter Hörnerschall“ ein „Gedenken“ veranstaltet und eine heilige Versammlung begeht.
  • Einen vergleichbaren Hörnerschall sollte es in Israel alle 49 Jahre auch am Versöhnungstag im „Halljahr“ („Jubeljahr) geben (3Mo 25,9): „Da sollst du Hörnerschall ertönen lassen im siebten Monat, am zehnten Tag des siebten Monats; am Tag der Versöhnung sollt ihr ein Schopharhorn durch euer ganzes Land erschallen lassen.“
  • Im jüdischen Gottesdienst dieses Tages wird das Schopharhorn 100 Mal geblasen.
  • In der jüdischen Tradition beginnt an diesem Tag eine zehntägige Zeit der Reue und Umkehr, die mit dem Versöhnungstag endet. Er wird auch als ein Tag des Gerichts bezeichnet.
  • Wie eingangs erwähnt, bildet dieser Tag den Auftakt zu dem letzten großen Festkomplex („Fest der Einbringung“ nach 2Mo 23).
  • Achten wir nun auf den Unterschied zwischen der Einberufung dieses „dritten“ Festes zu dem „zweiten“ Fest (Pfingsten).
    • Der Beginn des zweiten Festes wurde Tag für Tag abgezählt (3Mo 23,15-16). D.h.: Man hat auf dieses Fest gewartet und buchstäblich „die Tage gezählt“.
    • Der Beginn des dritten Festes wurde „unverhofft“ (ohne die Tage zu zählen) an einem festgesetzten Kalendertag mit Hörnerschall angekündigt.
  • Derselbe Unterschied lässt sich im NT zwischen dem Empfang des Heiligen Geistes und der Entrückung bzw. Auferstehung der Gläubigen (bzw. der Wiederkunft des Herrn) feststellen:
    • Auf den Empfang des Heiligen Geistes haben die Jünger gewartet (Lk 24,49; Apg 1,4-5) und dabei die Tage (bis Pfingsten) gezählt.
    • Von der Wiederkunft des Herrn kennen wir den Zeitpunkt nicht (Mt 25,13), er wird vielmehr durch Posaunenschall angekündigt werden (Mt 24,31; 1Kor 15,51-52; Off 11,15).

NT-Erfüllung:Jesus sagt, dass der Tag seines Kommens (und damit sowohl der Tag des Gerichts über die Welt als auch der Tag der Versammlung seiner Heiligen zu ihm hin) von starkem Posaunenschall eingeläutet werden wird: Mt 24,31; Mk 13,27; vgl. 1Kor 15,51-52; Off 8,1+6; 11,15.

  • An unserer Menorah ist dieses Fest gegenüber dem Fest der Erstlingsgabe angeordnet: Das Fest der Hörnerschalls ist ein Schattenbild unserer Auferstehung (und Entrückung) und damit ein passendes Gegenstück zu dem Fest der Erstlingsgabe (Auferstehung unseres Herrn, des „Erstlings der Auferstehung“ laut 1Kor 15,23)

6. Versöhnungstag: Beseitigung von Sünde & Hinzutreten zu Gott

Bibeltext AT: 3Mo 23,26-32

Und der HERR redete zu Mose und sprach: 27 Am zehnten Tag in diesem siebten Monat ist der Versöhnungstag, der soll euch eine heilige Versammlung sein; und ihr sollt eure Seelen demütigen und dem HERRN ein Feueropfer darbringen; 28 und ihr sollt an diesem Tag keine Arbeit verrichten, denn es ist der Versöhnungstag, um Sühnung für euch zu erwirken vor dem HERRN, eurem Gott. 29 Denn jede Seele, die sich an diesem Tag nicht demütigt, die soll ausgerottet werden aus ihrem Volk; 30 und die Seele, die an diesem Tag irgendeine Arbeit verrichtet, die will ich vertilgen mitten aus ihrem Volk. 31 Ihr sollt keine Arbeit verrichten. Das ist eine ewig gültige Ordnung für eure künftigen Geschlechter an allen euren Wohnorten. 32 Ein Sabbat der Ruhe soll es für euch sein, und ihr sollt eure Seelen demütigen. Am neunten Tag des Monats, am Abend, sollt ihr die Feier beginnen, und sie soll währen von einem Abend bis zum anderen.

In 3Mo 23 wird angeordnet, wann der Versöhnungstag gefeiert werden soll (s.a. 3Mo 16,29) und wie wichtig und absolut verpflichtend dieses Fest ist. Die Handlung des Festes wurde bereits in 3Mo 16 erklärt.

3Mo 16

1 Und der HERR redete zu Mose nach dem Tod der beiden Söhne Aarons, als sie vor den HERRN traten und daraufhin starben. 2 Und der HERR sprach zu Mose: Sage deinem Bruder Aaron, dass er nicht zu allen Zeiten in das Heiligtum hineingehen soll, hinter den Vorhang, vor den Sühnedeckel, der auf der Lade ist, damit er nicht stirbt; denn ich will auf dem Sühnedeckel in einer Wolke erscheinen.

3 Auf diese Weise soll Aaron in das Heiligtum hineingehen:

  • mit einem jungen Stier als Sündopfer und
  • mit einem Widder als Brandopfer;
  • 4 und er soll den heiligen leinenen Leibrock anziehen und soll ein leinenes Unterkleid an seinem Fleisch haben und sich mit einem leinenen Gürtel gürten und einen leinenen Kopfbund umbinden, denn das sind die heiligen Kleider;
  • und er soll sein Fleisch im Wasser baden und sie anziehen.
  • 5 Dann soll er von der Gemeinde der Kinder Israels zwei Ziegenböcke nehmen als Sündopfer und einen Widder als Brandopfer.

6 Und Aaron soll den Jungstier als Sündopfer für sich selbst herzubringen und Sühnung erwirken für sich und sein Haus. 7 Danach soll er die beiden Böcke nehmen und sie vor den HERRN stellen, an den Eingang der Stiftshütte. 8 Und Aaron soll Lose werfen über die beiden Böcke, ein Los »Für den HERRN« und ein Los »Für die Verwendung als Sündenbock«. 9 Und Aaron soll den Bock herzubringen, auf den das Los »Für den HERRN« fiel, und ihn als Sündopfer opfern. 10 Aber den Bock, auf den das Los »Für die Verwendung als Sündenbock« fiel, soll er lebendig vor den HERRN stellen, um über ihm die Sühnung zu erwirken und ihn als Sündenbock in die Wüste fortzuschicken.

11 Und Aaron bringe den Jungstier des Sündopfers herzu, das für ihn selbst bestimmt ist, und erwirke Sühnung für sich und sein Haus; und er schächte den Jungstier des Sündopfers, das für ihn selbst bestimmt ist. 12 Danach nehme er die Pfanne voll Feuerkohlen von dem Altar, der vor dem HERRN steht, und seine beiden Hände voll wohlriechenden zerstoßenen Räucherwerks und bringe es hinein hinter den Vorhang; 13 und er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor dem HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks den Sühnedeckel verhüllt, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht stirbt.

14 Er soll auch von dem Blut des Jungstieres nehmen und es mit seinem Finger gegen den Sühnedeckel sprengen, nach Osten zu. Siebenmal soll er so vor dem Sühnedeckel mit seinem Finger von dem Blut sprengen. 15 Danach soll er den Bock des Sündopfers, das für das Volk bestimmt ist, schächten und sein Blut hineinbringen hinter den Vorhang, und er soll mit dessen Blut tun, wie er mit dem Blut des Jungstiers getan hat, und er soll es auf den Sühnedeckel und vor den Sühnedeckel sprengen.

16 So soll er Sühnung erwirken für das Heiligtum wegen der Unreinheiten der Kinder Israels und wegen ihrer Übertretungen und aller ihrer Sünden, und er soll dasselbe tun mit der Stiftshütte, die sich mitten unter ihren Unreinheiten befindet.

17 Und kein Mensch soll in der Stiftshütte sein, wenn er hineingeht, um die Sühnung zu erwirken im Heiligtum, bis er wieder hinausgeht. Und so soll er Sühnung erwirken für sich und sein Haus und die ganze Gemeinde Israels. 18 Und er soll hinausgehen zu dem Altar, der vor dem HERRN steht, und für ihn Sühnung erwirken. Und er soll von dem Blut des Jungstieres und von dem Blut des Bockes nehmen und auf die Hörner des Altars tun, ringsum, 19 und er soll mit seinem Finger von dem Blut siebenmal darauf sprengen und ihn reinigen und heiligen von der Unreinheit der Kinder Israels.

20 Und wenn er die Sühnung vollendet hat für das Heiligtum und die Stiftshütte und den Altar, so soll er den lebendigen Bock herzubringen. 21 Und Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebendigen Bockes stützen und über ihm alle Schuld der Kinder Israels und alle ihre Übertretungen in allen ihren Sünden bekennen, und er soll sie dem Bock auf den Kopf legen und ihn durch einen Mann, der bereitsteht, in die Wüste fortschicken. 22 Und der Bock soll alle ihre Schuld, die auf ihm liegt, in ein abgeschiedenes Land tragen; und er schicke den Bock in die Wüste.

23 Und Aaron soll in die Stiftshütte gehen und die leinenen Kleider ausziehen, die er anzog, als er in das Heiligtum ging, und soll sie dort lassen; 24 und er soll sein Fleisch im Wasser baden an heiliger Stätte und seine eigenen Kleider anziehen und hinausgehen und sein Brandopfer und das Brandopfer des Volkes opfern und Sühnung erwirken für sich und das Volk. 25 Und das Fett des Sündopfers soll er auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen.

26 Der aber, welcher den Bock als Sündenbock fortgesandt hat, soll seine Kleider waschen und seinen Leib im Wasser baden, und danach kann er in das Lager kommen. 27 Den Jungstier des Sündopfers aber und den Bock des Sündopfers, deren Blut zur Sühnung in das Heiligtum gebracht worden ist, soll man hinaus vor das Lager schaffen und mit Feuer verbrennen, ihre Haut und ihr Fleisch und ihren Unrat. 28 Und der sie verbrannt hat, wasche seine Kleider und bade seinen Leib im Wasser, und danach kann er in das Lager kommen.

29 Und das soll eine ewig gültige Ordnung für euch sein: Am zehnten Tag des siebten Monats sollt ihr eure Seelen demütigen und kein Werk tun, weder der Einheimische noch der Fremdling, der in eurer Mitte wohnt. 30 Denn an diesem Tag wird für euch Sühnung erwirkt, um euch zu reinigen; von allen euren Sünden sollt ihr gereinigt werden vor dem HERRN. 31 Darum soll es euch ein Sabbat der Ruhe sein, und ihr sollt eure Seelen demütigen; das soll eine ewige Ordnung sein.

32 Und die Sühnung soll ein Priester vollziehen, den man gesalbt und dessen Hand man gefüllt hat, damit er anstelle seines Vaters als Priester dient; und er soll die leinenen Kleider anziehen, die heiligen Kleider, 33 und er soll Sühnung erwirken für das Allerheiligste und die Stiftshütte, und für den Altar soll er Sühnung tun; auch für die Priester und für die ganze Volksgemeinde soll er Sühnung erwirken. 34 Das soll euch eine ewige Ordnung sein, dass ihr für die Kinder Israels einmal im Jahr Sühnung erwirkt wegen aller ihrer Sünden! Und man machte es so, wie der HERR es Mose geboten hatte.

Anmerkungen:

  • Der Ablauf der Feierlichkeiten:
    • 1. Die Opfertiere werden am Eingang der Stiftshütte bereitgestellt:
      • Sündopfer:
        • Ein Jungstier für den Priester
        • Zwei Böcke für das Volk
      • Brandopfer:
        • Ein Widder für den Priester
        • Ein Widder für das Volk
    • 2. Die Bestimmung der zwei Böcke wird ausgelost.
    • 3. Der Priester schlachtet den Jungstier als Sühne für sich und seine Familie.
    • 4. Der Priester geht mit Kohlen vom Altar ins Allerheiligste und lässt dort Weihrauch als eine Wolke aufsteigen, die den Sühnedeckel verhüllt.
    • 5. Der Priester sprengt siebenmal das Blut des Stieres (der zu seiner eigenen Sühnung geschlachtet wurde) gegen den Sühnedeckel (an der Seite, die dem Vorhang zugewandt ist).
    • 6. Der Priester kommt heraus und schlachtet den dafür ausgelosten Bock.
    • 7. Der Priester geht mit dem Blut dieses Bocks erneut ins Allerheiligste und sprengt es auf und vor den Sühnedeckel.

Durch diese Blutbesprengung wird „Sühne erwirkt“ – zunächst für das Allerheiligste, dann für die Stiftshütte, dann für den Altar. Die Sühne ist notwendig wegen der „Unreinheit der Kinder Israels.“ Nachdem das Allerheiligste, die Stiftshütte und der Altar mit dem Blut von der Unreinheit der Kinder Israels „gereinigt und geheiligt“ (19) worden sind, geht es mit dem nächsten Schritt weiter:

  • 8. Der Priester legt beide Hände auf den lebendigen Sündenbock und überträgt die ganze Schuld des Volkes Israel auf dieses Tier.
  • 9. Ein Mann schickt den Bock fort in die Wüste. Der Bock trägt alle Schuld Israels in ein „abgeschiedenes Land“.
  • 10. Der Priester wäscht sich, wechselt seine Kleider und bringt beide Widder (für sich und für das Volk) als Brandopfer dar.
  • 11. Das Fett der Sündopfer (Stier für den Priester und der geschlachtete Bock) wird auf dem Altar verbrannt.
  • 12. Die Überreste der Sündopfer (alles außer Blut und Fett) werden außerhalb des Lagers verbrannt.

NT-Erfüllung

  • Die lange Prozedur des Versöhnungstages enthält unvollkommene Bilder für das vollkommene Erlösungswerk Jesu (der ein besserer Priester ist als Aaron und seine Söhne). Zum Beispiel:
    • Der Priester ging mit „fremdem Blut“ ins Allerheiligste,
      Christus aber brachte sich selbst als Opfer dar (Hebr 9,25-26).
    • Der Priester ging in ein von Menschen „nachgemachtes“ Heiligtum,
      Christus ging in den Himmel selbst (Hebr 9,24).
    • Statt die Sünden tatsächlich wegzunehmen, geschieht beim Versöhnungsfest eine jährliche Erinnerung an die Sünde (Hebr 10,3). Die Opfer können das Gewissen nicht von der Schuld befreien (Hebr 9,9), Christus aber reinigt unser Gewissen „von den bösen Werken“ (Hebr 9,14) und befreit uns damit „vom bösen Gewissen“ (Hebr 10,22).
  • Das Versöhnungsfest spiegelt also auf der einen Seite wider, was der Herr Jesus für uns vollbracht hat, auf der anderen Seite offenbart es auch die Unvollkommenheit dieses AT-Dienstes, wie es die Kapitel Hebräer 7-10 ausführlich darlegen.
    (Zu beachten ist dabei, dass der Verfasser des Hebräerbriefes nicht nur über das Versöhnungsfest, sondern über den Priesterdienst als Ganzes redet. Der Abschnitt Hebräer 7-10 ist also keine explizite Erklärung des Versöhnungsfestes.)
  • Das Versöhnungsfest ist also (u.a.) ein „Schatten“ des bereits vollbrachten Teils des Erlösungswerkes Jesu. Wir fokussieren unseren Blick im Folgenden jedoch hauptsächlich auf den noch ausstehenden Teil seines Erlösungswerkes bzw. auf dessen Vollendung.
  • Die zwei besonders auffälligen Zeremonien dieses Festes sind:
    • Der (zweifache) Gang des Hohenpriesters ins Allerheiligste (einmal für sich selbst und einmal für das Volk). Das durfte und sollte er sonst nie tun!
    • Ein Tier wird mit Sünde beladen und in die Wüste geschickt, statt geschlachtet zu werden. (Etwas Vergleichbares gibt es sonst nur beim Reinigungsopfer des Aussätzigen, wo eine Taube getötet und die andere in ihr Blut getaucht und dann freigelassen wird, vgl. 3Mo 14,7.)
  • Es geht bei diesem Fest darum, in die Gegenwart Gottes zu kommen und die Sünde vollständig zu entfernen (deswegen muss der Priester auch sich selbst waschen und umziehen; auch werden die Überreste der Sündopfer verbrannt; jede Unreinheit muss beseitigt werden). Genau das ist durch das vollbrachte Erlösungswerk Christi schon geschehen – aber noch nicht in der vollendeten Form, denn:
    • Wir haben zwar Gemeinschaft mit Gott durch seinen Geist, aber wir sehen ihn noch nicht, wir leben noch im Glauben, nicht im Schauen (vgl. 2Kor 5,7).
    • Wir sind befreit von der Kraft der Sünde, aber wir haben immer noch mit ihr zu kämpfen, sie wohnt noch in unseren Gliedern (Röm 7,20; Gal 5,17).
  • Wenn wir aber zum Herrn versammelt sein werden (Entsprechung des fünften Festes), dann wird sein Erlösungswerk vollendet werden:
    • Wir werden aus dem Glauben in das Schauen kommen und Gott sehen (2Kor 5,7; Off 2,4; 1Joh 3,2).
    • Wir werden in sein Ebenbild umgestaltet werden (1Joh 3,2; Röm 8,29) und „heilig und unsträflich vor seinem Angesicht dastehen“ (Eph 1,4 nach Menge), in einem erlösten Leib (Röm 8,23), der geistlich ist (1Kor 15,44) und keinerlei Beziehung mehr zur Sünde hat.
  • Dieser Tag der Verwandlung fällt in der Erfüllung im Grunde mit dem Tag der Entrückung zusammen (1Kor 15,52): „plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.“

7. Laubhüttenfest: Das Freudenfest am Ziel der langen Reise

Bibeltext AT: 3Mo 23,33-43

Und der HERR redete zu Mose und sprach: 34 Rede zu den Kindern Israels und sprich: Am fünfzehnten Tag dieses siebten Monats soll dem HERRN das Laubhüttenfest gefeiert werden, sieben Tage lang. 35 Am ersten Tag ist eine heilige Versammlung; da sollt ihr keine Werktagsarbeit verrichten. 36 Sieben Tage lang sollt ihr dem HERRN ein Feueropfer darbringen; und am achten Tag sollt ihr eine heilige Versammlung halten und dem HERRN ein Feueropfer darbringen; es ist eine Festversammlung; da sollt ihr keine Werktagsarbeit verrichten.

37 Das sind die Feste des HERRN, zu denen ihr heilige Versammlungen einberufen sollt, um dem HERRN Feueropfer, Brandopfer, Speisopfer, Schlachtopfer und Trankopfer darzubringen, jeden Tag das, was vorgeschrieben ist — 38 zusätzlich zu den Sabbaten des HERRN und zu euren Gaben und zusätzlich zu allen euren Gelübden und allen euren freiwilligen Gaben, die ihr dem HERRN gebt.

39 So sollt ihr nun am fünfzehnten Tag des siebten Monats, wenn ihr den Ertrag des Landes eingebracht habt, das Fest des HERRN halten, sieben Tage lang; am ersten Tag ist ein Feiertag und am achten Tag ist auch ein Feiertag.

40 Ihr sollt aber am ersten Tag Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmenzweige und Zweige von dicht belaubten Bäumen und Bachweiden, und ihr sollt euch sieben Tage lang freuen vor dem HERRN, eurem Gott. 41 Und so sollt ihr dem HERRN das Fest halten, sieben Tage lang im Jahr. Das soll eine ewige Ordnung sein für eure [künftigen] Geschlechter, dass ihr dieses im siebten Monat feiert. 42 Sieben Tage lang sollt ihr in Laubhütten wohnen; alle Einheimischen in Israel sollen in Laubhütten wohnen, 43 damit eure Nachkommen wissen, dass ich die Kinder Israels in Laubhütten wohnen ließ, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte; ich, der HERR, bin euer Gott.

Anmerkungen

  • Das Laubhüttenfest hat mehrere Bedeutungen:
    • Es ist ein abschließendes Erntedankfest. (Bei den ersten beiden Festkomplexen werden stets die Erstlinge dargebracht, hier wird die Ernte vollends „eingebracht.“)
    • Es ist ein Fest der Erinnerung an die Fürsorge Gottes in den 40 Jahren der Wüstenwanderung.
  • Das Laubhüttenfest ist das letzte und abschließende Fest im Jahr. Danach folgen fünf Monate ohne von Gott verordnete Feste. (Das „Fest der Tempelweihe“ (Joh 10,22) und das „Purimfest“ (Esther) liegen zwar in dieser Zeit, wurden aber nicht von Gott eingesetzt.) Es ist daher ein Symbol der Vollendung des göttlichen Heilsplans bzw. der „Einbringung“ seiner Ernte.
  • Es ist ein Fest der höchsten Freude.
  • Zu den sieben Festtagen wird noch ein achter Tag angeschlossen – als sollten diese Feiertage nie zu Ende gehen.
  • Im Judentum gab es zwei Bräuche zu diesem Fest, die Jesus beide aufgriff, um auf seine Person hinzuweisen:
    • Das Wassergießen am Altar: „Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke…“ (Joh 7,37-38)
    • Das Brennen der Fackeln (und der großen Leuchter) in der letzten Nacht des Festes: „Ich bin das Licht der Welt!“ (Joh 8,12)

NT-Erfüllung

  • Nach der Auferstehung und Entrückung der Gläubigen (fünftes Fest)
    werden sie vollends und für immer von jeder Gegenwart der Sünde gereinigt und vor Gottes Angesicht gebracht (sechstes Fest)
    und werden dann die Ewigkeit in der „Freude ihres Herrn“ (vgl. Mt 25,21.23) verbringen (siebtes Fest).
  • Das Laubhüttenfest ist damit ein Sinnbild für das ewige Leben in der ungestörten Gemeinschaft mit Gott und ungetrübter Freude (Off 21,3-4): „Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. 4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Fußnoten

  1. innercube, Feste der Bibel