Jerusalem-Modell

Auf dem Osthang der Oberstadt, mit Blick zum Tempel, stand der Palast der Hasmonäer, jener makkabäischen Priesterfürsten, die 164 v. Chr. den Tempel von den Heiden zurückerobert und neu geweiht hatten. (Das Fest der Tempelweihe in Johannes 10,22 erinnert an dieses Ereignis).
Wenn Herodes Antipas, der Vierfürst von Galiläa, zu den Festen nach Jerusalem kam, wohnte er vermutlich hier. Vom Gebäude selbst ist nichts Sicheres erhalten; wir kennen es vor allem aus den Schriften des Josephus.1
In diesem Palast geschah vielleicht eine der seltsamsten Szenen des Prozesses Jesu. Als Pilatus hörte, dass Jesus Galiläer war, schickte er ihn zu Antipas, der gerade in Jerusalem weilte (Lukas 23,6–7). Antipas war derselbe, der Johannes den Täufer hatte enthaupten lassen (Markus 6,14–29) und den Jesus „diesen Fuchs“ nannte (Lukas 13,32). Nun freute er sich: Lange hatte er Jesus sehen wollen und hoffte, ein Wunder von ihm zu erleben. Er befragte ihn mit vielen Worten – doch Jesus schwieg. Da verspottete ihn Antipas mit seinen Soldaten, legte ihm ein Prunkgewand an und sandte ihn zu Pilatus zurück (Lukas 23,8–11).
Vor Antipas, der einst Johannes den Täufer hatte enthaupten lassen, stand nun der, auf den Johannes gewiesen hatte – und schwieg. „Er tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird“ (Jesaja 53,7).
An jenem Tag aber wurden Herodes und Pilatus Freunde (Lukas 23,12). Zwei Feinde wurden im Widerstand gegen den Gesalbten Gottes vereint, wie geschrieben steht: „Versammelt haben sich Herodes und Pontius Pilatus … wider deinen heiligen Knecht Jesus“ (Apostelgeschichte 4,27).
Fußnoten
- Der Hasmonäer-Palast ist archäologisch nicht erhalten und nur aus Josephus bekannt. ↩
