Jerusalem-Modell

Der Tempel verlangte unaufhörlich nach Wasser: zum Reinigen, zum Fortspülen des Opferblutes, für die Menge der Festpilger. Doch Jerusalem liegt auf trockener Höhe, und die Gihonquelle reichte irgendwann nicht mehr aus, um den Wasserbedarf der wachsenden Stadt zu stillen. So holte man das Wasser aus der Ferne: Rund zwanzig Kilometer südlich, jenseits von Bethlehem, sammelten drei gewaltige Stufenbecken das Quell- und Regenwasser – die „Teiche Salomos“.1 Den Namen „Teiche Salomos“ tragen sie allerdings nur einer alter Überlieferung wegen; mit dem König Salomo haben sie wenig zu tun.2
Von diesen Teichen führten zwei Leitungen nach Jerusalem: die untere, rund einundzwanzig Kilometer lang, brachte das Wasser bis zum Tempelberg – über viele Kilometer mit winzigem Gefälle, sorgfältig den Höhenlinien folgend. Auf ihren einundzwanzig Kilometern überwand die untere Leitung dreißig Höhenmeter – ein Gefälle von nur 0,14 Prozent. Die obere Leitung wiederum meisterte ihr größtes Hindernis mit einem Kunstgriff: Um ein tiefes Tal westlich von Bethlehem zu queren, führte sie das Wasser in einer steinernen Druckleitung hinab und ließ es auf der anderen Seite von selbst wieder emporsteigen. Diese „obere“ Leitung von etwa fünfzehn Kilometern verlief höher und versorgte vermutlich den Palastbereich der Oberstadt. Die Teiche selbst wurden durch weit hergeführte Zuleitungen aus dem Süden gespeist – die längste, aus den el-Arrub-Quellen, wand sich auf rund vierzig Kilometern durch die Judäischen Berge, bei einer Luftlinie von nur etwa zehn Kilometern.3
Auf dem Tempelberg selbst sammelten zahlreiche, in den Fels gehauene Zisternen das Regenwasser und nahmen zugleich das Wasser der unteren Leitung auf. Die größte Zisterne, das „Große Meer“ genannt, fasste viele Millionen Liter.4
Fußnoten
- Drei treppenartige Staubecken im Artas-Tal südwestlich von Bethlehem, gespeist aus Quellen (u. a. Etam), Regenwasser und Zuleitungen (Wadi el-Biyar, el-Arrub). Vgl. romanaqueducts.info; Wikipedia, „Solomon’s Pools“. ↩
- Der Name „Teiche Salomos“ ist Überlieferung; die Becken stammen aus hasmonäisch-herodianischer und römischer Zeit. Vgl. Wikipedia, „Solomon’s Pools“. ↩
- Vgl. romanaqueducts.info; D. Deming, „The Aqueducts and Water Supply of Ancient Jerusalem“, Groundwater (2025); Israel Antiquities Authority. ↩
- Über 35 in den Fels gehauene Zisternen; die größte („Großes Meer“) fasste mehrere Millionen Liter. Vgl. L. Ritmeyer, The Quest (2006). ↩
