Jerusalem-Modell

Jenseits des Kidron, am Fuß des Ölbergs, lag ein Garten mit Ölbäumen. Sein Name „Gethsemane“ bedeutet „Ölpresse“.1 Passend dazu fanden die Ausgräber an diesem Ort Reste alter Ölpressen;2 und noch heute stehen dort uralte Ölbäume, deren Holz man auf rund neunhundert Jahre datiert hat und die als Nachkommen der Bäume aus neutestamentlicher Zeit gelten.3 Am überlieferten Ort erhebt sich heute die „Kirche aller Nationen“ (1919–1924) über den Resten einer byzantinischen und einer Kreuzfahrerkirche; in ihrem Inneren ist der „Fels der Todesangst“ eingefasst. Jüngste Grabungen legten nahebei ein Tauchbad aus der Zeit des zweiten Tempels und eine byzantinische Kirche frei.4
Hierher zog sich Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung zurück. Und hier, im „Garten der Ölpresse“, wurde er selbst „ausgepresst“, er rang im Gebet, bis sein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde fiel, und sprach: „Vater … nicht mein Wille, sondern der deine geschehe“ (Lukas 22,42–44; Matthäus 26,36–46), während die Jünger schliefen.
Dann kam Judas mit der Schar und überlieferte ihn mit einem Kuss.
Als Jesus sprach „Ich bin es“, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Petrus zog das Schwert und hieb dem Knecht Malchus das Ohr ab – doch Jesus heilte es und ließ sich binden (Johannes 18,2–12; Lukas 22,50–51).5 Wie die Olive unter dem Stein zerdrückt wird und kostbares Öl hervorbringt, so gab der Herr sich hier dem Willen des Vaters hin – und aus seiner Hingabe ist das Heil für die Welt geflossen.
Fußnoten
- Aram. Gat Schemanim „Ölpresse/Ölkelter“; griech. chōríon bezeichnet ein Grundstück bzw. einen Garten. ↩
- Bei Bauarbeiten an der „Kirche aller Nationen“ fanden die Franziskaner Reste von Ölpressen. Vgl. saxum.org. ↩
- Eine Studie (2012) datierte einige Stämme auf rund 900 Jahre und wies gemeinsames Erbgut nach; der genaue Ort des Gartens ist nicht gesichert. Vgl. christianity.com; Italienischer Forschungsrat (CNR, 2012). ↩
- Die „Kirche aller Nationen“ (Todesangst-Basilika, A. Barluzzi, 1919–1924) steht über byzantinischen (4. Jh.) und Kreuzfahrer-Resten. Jüngste Grabungen der Altertumsbehörde (2020) legten nahebei ein Tauchbad der Zweiten-Tempel-Zeit und eine byzantinische Kirche frei. Vgl. Israel Antiquities Authority (2020). ↩
- Vgl. Roger Liebi, Der Messias im Tempel, CLV 2021, S. 276. ↩
