Merneptah-Stele (Israel-Stele)

Orienttafel, Artefakt 1

Merneptah-Stele (Israel-Stele)
Material
Granit, 1,6 × 3,1 × 0,32 m
Fund
Flinders Petrie, 1896, im Totentempel Pharao Merenptahs (Theben)
Datierung
um 1208 v. Chr. (5. Regierungsjahr Merenptahs, Sohn Ramses’ II.)
Standort
Ägyptisches Museum, Kairo (CG 34025 / JE 31408)

Die Merneptah-Stele ist ein steinerner Siegesbericht: Pharao Merenptah dankt darin den Göttern für einen Sieg, den er als „heiligen Krieg“ verstanden wissen wollte. Am Ende des Textes zählt er die unterworfenen Völker und Städte Kanaans auf – Aschkelon, Geser, Jenoam – und mitten unter ihnen erscheint ein Name, der die Stele weltberühmt gemacht hat: Israel.

Bedeutsam ist nicht nur, dass der Name fällt, sondern wie er geschrieben ist. Die ägyptischen Schreiber setzten hinter jeden Namen ein kleines erklärendes Zeichen. Bei Aschkelon oder Geser steht das Zeichen für „Stadt“, bei „Israel“ dagegen das Zeichen für „Volk“. Die Ägypter kannten Israel um 1208 v. Chr. also bereits als ein eigenständiges Volk, das in Kanaan lebte.

Damit ist die Merneptah-Stele die älteste bisher bekannte außerbiblische Erwähnung Israels überhaupt. Sie belegt: Israel war im späten 13. Jahrhundert v. Chr. kein junges, eben erst entstandenes Gebilde, sondern ein bereits etabliertes Volk im Land. Für einen sehr späten Ansatz des Auszugs aus Ägypten bleibt damit wenig Spielraum – der Exodus und die Landnahme müssen deutlich früher liegen, als es manche moderne Rekonstruktionen annehmen.

Aus dem Text (Zeilen 26–27)

… Kanaan ist mit allem Übel erbeutet. Aschkelon ist herbeigeführt, Geser ist gepackt, Jenoam ist zunichte gemacht. Israel ist verwüstet, seine Saat ist nicht mehr …

Quellen

  • Ausgrabung: W. M. Flinders Petrie, Theben 1896.
  • Aufbewahrung: Ägyptisches Museum Kairo, Inv. CG 34025 / JE 31408.
  • Textausgabe/Übersetzung: J. B. Pritchard (Hg.), Ancient Near Eastern Texts (ANET); K. A. Kitchen, Ramesside Inscriptions.
  • Zum „Volk“-Determinativ hinter „Israel“: M. G. Hasel, „Israel in the Merneptah Stela“, BASOR 296 (1994), 45–61.
  • Überblicksdarstellung: R. Price / H. W. House, Zondervan Handbook of Biblical Archaeology (2017), S. 90; R. Price, The Stones Cry Out (1997).
  • Zum Thema Exodus-Datierung vgl. 2. Mose 1–14; Richter 11,26; 1. Könige 6,1.