Orienttafel, Artefakt 2

- Material
- Basalt, 58 × 115 × 6 cm
- Fund
- Frederick Augustus Klein, 1868, bei Dhiban (Dibon), östlich des Toten Meeres
- Datierung
- um 840 v. Chr.
- Standort
- Louvre, Paris (Kopien u. a. British Museum London; Museum Amman; Bibeldorf Rietberg)
Auf diesem schwarzen Basaltblock lässt der moabitische König Mescha in eigener Sache reden. In moabitischer Sprache rühmt er sich seiner Bauwerke und vor allem seiner Befreiung: Sein Volk habe sich aus der Abhängigkeit und Tributpflicht gegenüber dem Nordreich Israel gelöst. Die Stele ist damit ein Bericht aus feindlicher Feder – und gerade deshalb ein besonders unabhängiger Zeuge.
Gleich mehrere biblische Angaben finden hier ihre Bestätigung. Mescha nennt ausdrücklich Omri, den Begründer der israelitischen Königsdynastie, und dessen Herrschaft über moabitisches Gebiet (vgl. 1. Könige 16). Er spricht von einer rund vierzigjährigen Oberhoheit Israels über Moab, die erst unter Omris Nachfahren endete – ein Zeitrahmen, der gut zu den biblischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Moab passt (vgl. 2. Könige 3).
Besonders bemerkenswert: Der Stein nennt den Gottesnamen JHWH – den Namen des Gottes Israels – neben dem moabitischen Reichsgott Kemosch. Es ist eine der frühesten außerbiblischen Erwähnungen dieses Namens überhaupt. Nach einer neueren Lesung könnte in Zeile 31 zudem ein „König von Moab“ namens Balak genannt sein – jener Name, den auch die Bibel im Zusammenhang mit Bileam kennt (4. Mose 22–24); diese Lesung ist unter Fachleuten allerdings noch umstritten.
So liefert die Mescha-Stele nicht nur eine Bestätigung der biblischen Geschichte, sondern ergänzt sie um Hintergründe: Die Königslinie Omris war den Nachbarvölkern östlich des Jordan als bedrohliche Macht sehr wohl bekannt.
Aus der Inschrift
Omri war König über Israel und bedrängte Moab viele Tage … Aber ich triumphierte über ihn und über sein Haus, und Israel ist für immer zugrunde gegangen. Omri hatte sich des ganzen Landes von Medeba bemächtigt und wohnte darin … vierzig Jahre lang …
Quellen
- Ausgrabung/Erwerb: F. A. Klein 1868; Corpus-Nummer KAI 181.
- Aufbewahrung: Musée du Louvre, Paris (AO 5066).
- Bibelstellen: 1. Könige 16; 2. Könige 3; 4. Mose 21,29; 1. Könige 11,7.33; 2. Könige 23,13; Jeremia 48; zur (umstrittenen) Balak-Lesung 4. Mose 22–24.
- Zur neueren Lesung von Zeile 31: A. Lemaire / J.-P. Langlois u. a., epigraphische Studien zur Mescha-Stele.
