Hiskia-Tunnel-Inschrift (Siloah-Inschrift)

Orienttafel, Artefakt 14

Hiskia-Tunnel-Inschrift (Siloah-Inschrift)
Material
Fels-Inschrift (paläohebräisch)
Fund
1880, im Hiskia-Tunnel in Jerusalem (ca. 7 m vor dem Tunnelende)
Datierung
8. Jahrhundert v. Chr.
Standort
Archäologisches Museum, Istanbul (KAI 189)

Um 701 v. Chr. rückte der Assyrer Sanherib auf Jerusalem vor. König Hiskia stand vor einem Problem: Die lebenswichtige Gihon-Quelle lag außerhalb der Stadtmauern. Er musste sie zugleich vor den Belagerern verbergen und das Wasser sicher in die Stadt leiten. Die Lösung war eine ingenieurtechnische Meisterleistung – ein über 500 Meter langer Tunnel durch den Fels, der die Quelle mit dem Teich Siloah im Inneren der Stadt verband (vgl. 2. Könige 20,20; 2. Chronik 32,3–4).

Zwei Arbeitertrupps schlugen den Tunnel von beiden Enden her aufeinander zu. Genau den Augenblick ihres Durchbruchs hält die Inschrift fest, die man 1880 wenige Meter vor der Verbindungsstelle im Fels entdeckte. Sie schildert, wie die Steinmetzen die Stimmen der jeweils anderen Seite durch den Fels hörten, bis sich Axt auf Axt traf und das Wasser von der Quelle zum Teich zu fließen begann.

Diese Inschrift ist etwas Seltenes: das einzige bekannte Zeugnis dieser Art aus der Region, das an ein öffentliches Bauwerk erinnert. Geschrieben ist sie in althebräischer Sprache und Schrift. Sie bestätigt damit anschaulich, was die Bibel über Hiskias Wasserbau berichtet – ein Projekt, das man noch heute begehen kann und durch das noch immer Wasser fließt.

Aus der Inschrift

… und dies ist die Geschichte des Durchbruchs: Als die Steinmetzen noch die Axt schwangen, einer dem anderen entgegen, und noch drei Ellen zu durchbrechen waren, hörte man den Ruf des einen, der dem anderen zurief … da floss das Wasser von der Quelle zum Teich, 1200 Ellen weit.

Quellen

  • Auffindung: 1880 im Schiloach-/Hiskia-Tunnel, Jerusalem; Corpus-Nummer KAI 189.
  • Aufbewahrung: Archäologisches Museum, Istanbul.
  • Überblick: Zondervan Handbook of Biblical Archaeology (2017), S. 137.
  • Bibelstellen: 2. Könige 20,20; 2. Chronik 32,2–4.30; Jesaja 22,9–11.