Nabonid-Zylinder von Ur

Orienttafel, Artefakt 16

Nabonid-Zylinder von Ur
Material
Ton, 9,5 cm lang, 4,8 cm Durchmesser
Fund
J. G. Taylor, 1854, in Ur (in den Fundamenten einer Zikkurat)
Datierung
um 540 v. Chr.
Standort
British Museum, London (BM 91128)

In den Fundamenten der großen Zikkurat von Ur fand man vier gleichlautende Tonzylinder. Sie enthalten den Gründungs- bzw. Bautext für ein Heiligtum des Mondgottes Sin und beschreiben, wie König Nabonid – der letzte König des neubabylonischen Reiches – das Bauwerk erneuern ließ.

Am Ende des Textes bittet Nabonid die Gottheit um ein langes Leben und um Segen für seinen ältesten Sohn. Und dieser Sohn trägt einen Namen, der in der Bibel eine berühmte Rolle spielt: Belsazar (Bel-šar-usur). Es ist derselbe Belsazar, an dessen Festmahl die geheimnisvolle Schrift an der Wand erscheint und das Gericht über Babylon ankündigt (Daniel 5).

Lange galt Belsazar als bibelkritischer Stolperstein, weil er in den babylonischen Königslisten nicht als König auftaucht. Der Zylinder löst das Rätsel: Belsazar war der Sohn und Mitregent Nabonids. Das erklärt zugleich eine feine Einzelheit im Danielbericht – warum Daniel als Belohnung nur „der dritte im Königreich“ werden sollte (Daniel 5,29): Weil Belsazar selbst nur der zweite war, hinter seinem Vater Nabonid.

Aus dem Zylinder

Was mich betrifft, Nabonid, König von Babylon … und was Belsazar betrifft, den ältesten Sohn, meinen leiblichen Nachkommen – flöße die Ehrfurcht vor deiner großen Gottheit in sein Herz …

Quellen

  • Ausgrabung: J. G. Taylor, Ur 1854 (vier gleichlautende Zylinder).
  • Aufbewahrung: The British Museum, London (BM 91128).
  • Bibelstellen: Daniel 5 (besonders 5,29).