Orienttafel, Artefakt 17

- Material
- Ton (Keilschrifttafel)
- Fund
- vermutlich Babylon (1879 aus dem Antikenhandel erworben)
- Datierung
- Original spätes 6. / frühes 5. Jh. v. Chr.; erhaltene Abschrift jünger
- Standort
- British Museum, London
Die Nabonid-Chronik ist ein nüchterner, jahrweise geordneter Geschichtsbericht. Sie behandelt die Regierung Nabonids, des letzten neubabylonischen Königs, schildert die Eroberung Babylons durch den Perserkönig Kyrus den Großen und reicht bis in die Zeit danach. Die Forscherin Amélie Kuhrt nannte sie eine der zuverlässigsten antiken Darstellungen vom Untergang Babylons.
Für das Buch Daniel ist ein Detail besonders wichtig: Die Chronik berichtet, dass Nabonid sich über Jahre in die arabische Oase Tema zurückzog und das Neujahrsfest deshalb jahrelang ausfiel. Während dieser langen Abwesenheit verwaltete sein Sohn Belsazar das Reich in Babylon. Damit war Belsazar faktisch der regierende Mann in der Hauptstadt – auch wenn der eigentliche König weit entfernt war.
Genau dieses Bild setzt Daniel 5 voraus: Belsazar sitzt in Babylon, feiert, gerät in Bedrängnis und kann als Höchstbelohnung nur den dritten Rang im Reich vergeben. Die Chronik liefert den außerbiblischen Hintergrund dafür – ein weiterer Baustein, der die scheinbar „unmögliche“ Königsfigur Belsazar historisch verankert.
Quellen
- Erwerb: Antikenhandel 1879; vermutlich aus Babylon.
- Aufbewahrung: The British Museum, London.
- Textausgabe: Grayson, Assyrian and Babylonian Chronicles (ABC 7).
- Bibelstelle: Daniel 5,29.
