Orienttafel, Artefakt 18

- Material
- Ton, 8,25 × 6,19 cm
- Fund
- unbekannt (1896 aus dem Antikenhandel erworben)
- Datierung
- Original um 550–400 v. Chr.
- Standort
- British Museum, London (BM 21946)
Diese kleine Tontafel – oft „Jerusalem-Chronik“ genannt – umfasst die ersten elf Regierungsjahre Nebukadnezars II. (605–594 v. Chr.) und beschreibt seine Feldzüge im Westen. Ein Eintrag bezieht sich auf die erste Eroberung Jerusalems im Jahr 597 v. Chr.
Die Chronik nennt Jerusalem nicht wörtlich, sondern spricht von der „Stadt Juda“ (Iaahudu). Doch die Angaben sind unverwechselbar: Nebukadnezar rückt gegen die Stadt vor, erobert sie am 2. Tag des Monats Adar (Mitte März 597 v. Chr.), nimmt den König gefangen, setzt einen eigenen König ein und lässt sich reichen Tribut zahlen.
Das deckt sich genau mit dem biblischen Bericht in 2. Könige 24,8–17: Der junge König Jojachin (Jekonja) wird nach Babylon weggeführt, und Nebukadnezar setzt an seiner Stelle Zedekia ein. Hier bestätigt eine babylonische Verwaltungsquelle auf den Tag genau einen Wendepunkt der israelitischen Geschichte.
Aus der Chronik
Im siebten Jahr, im Monat Kislew, bot der König von Babylon sein Heer auf, zog ins Land Hatti und belagerte die Stadt Juda. Am zweiten Tag des Monats Adar nahm er die Stadt ein und ergriff den König. Einen König seiner Wahl setzte er dort ein, empfing schweren Tribut und sandte ihn nach Babylon.
Quellen
- Erwerb: Antikenhandel 1896.
- Aufbewahrung: The British Museum, London (BM 21946; ABC 5 bei Grayson).
- Textausgabe: Grayson, Assyrian and Babylonian Chronicles.
- Erstedition: D. J. Wiseman, Chronicles of Chaldaean Kings (626–556 B.C.) in the British Museum (London 1956); dort als „Jerusalem-Chronik“ ediert.
- Bibelstelle: 2. Könige 24,8–17.
