Orienttafel, Artefakt 19

- Material
- Ton (mehrere Keilschrifttafeln)
- Fund
- Robert Koldewey, 1899–1917, nahe dem Ischtar-Tor in Babylon
- Datierung
- um 595–570 v. Chr.
- Standort
- Pergamonmuseum, Berlin (VAT 16378)
In den Ruinen Babylons, unweit des berühmten Ischtar-Tores, fand man tönerne Verwaltungstafeln aus den königlichen Archiven Nebukadnezars. Sie verzeichnen ganz sachlich, welche Lebensmittelrationen – etwa Öl – an Gefangene, Handwerker und Gäste ausgegeben wurden, die in und um Babylon lebten.
Auf einer dieser Tafeln taucht ein Name auf, der die Bibelleser aufhorchen lässt: „Jau-kīnu, König des Landes Jahudu“ – Jojachin, König von Juda. Genannt werden auch seine fünf Söhne. Es ist derselbe judäische König, der nach 597 v. Chr. als Gefangener nach Babylon verschleppt wurde.
Damit bestätigen diese Rationslisten den biblischen Schlussbericht der Königsbücher: Jojachin lebte tatsächlich als königlicher Gefangener am Hof Babylons und wurde dort mit Zuwendungen versorgt (vgl. 2. Könige 25,27–30). Ein bürokratischer Alltagsbeleg – und gerade deshalb ein besonders glaubwürdiger Zeuge – bestätigt eine Person und eine Situation, die auch das Alte Testament schildert.
Aus einer der Tafeln
10 Sila (Öl) für Jau-kīnu, den König von Juda; 2½ Sila für die fünf Königssöhne von Juda. (1 Sila ≈ 0,8 Liter)
Quellen
- Ausgrabung: R. Koldewey, Babylon 1899–1917.
- Aufbewahrung: Pergamonmuseum / Vorderasiatisches Museum, Berlin (VAT 16378).
- Textausgabe: E. F. Weidner, „Jojachin, König von Juda, in babylonischen Keilschrifttexten“ (1939).
- Auf vier der Tafeln ist Jojachin („Jau-kīnu, König von Juda“) samt seinen Söhnen genannt.
- Überblick: Zondervan Handbook of Biblical Archaeology (2017), S. 139.
- Bibelstelle: 2. Könige 25,27–30.
